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◆ Reiseberichte

A23a, 1,3 Millionen Zügelpinguine und ein Vulkan mit Lavasee

Erst A23a im Nebel, dann 1,3 Millionen Zügelpinguine auf einem Vulkan — und eine Zodiacfahrt, die dort erst zum zweiten Mal überhaupt stattfand.

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Thema Reiseberichte

Erst der größte schwimmende Gegenstand der Erde, dann eine Insel mit 1,3 Millionen brütenden Zügelpinguinen, dann eine geflutete Vulkancaldera, in der zum zweiten Mal überhaupt eine Zodiacfahrt stattfand. Die Reise der MS Ortelius vom Januar 2026 führte über Südgeorgien zu den Südlichen Sandwichinseln — einem Archipel, den kaum jemand je zu Gesicht bekommt. Das Bordlogbuch erzählt, warum das so ist.

Was ist A23a — und wie sieht man ihn?

A23a ist der größte Eisberg der Welt: ein Tafeleisberg, der 1986 vom Filchner-Schelfeis abbrach, jahrzehntelang im Weddellmeer festsaß und erst in den vergangenen Jahren nach Norden zu treiben begann. Er gilt als das größte schwimmende Objekt der Erde.

Die Annäherung am 25. Januar war alles andere als spektakulär — zunächst. Dichter Nebel lag über der Antarktischen Konvergenz. Der Expeditionsleiter meldete, A23a liege noch sechs Seemeilen voraus, sichtbar war nichts. Während alle suchten, verteilte die Crew heiße Schokolade.

Dann kam er über die Ohren: „Bald hörten wir donnernde Geräusche, als die Wellen gegen den Eisberg schlugen, und das Schiff begann sanft in der Rückströmung zu rollen." Erst danach hob sich ein Streifen Nebel und gab den Koloss an Backbord frei. Kurz bevor das Schiff abdrehte, riss die Sicht weiter auf und zeigte mehrere Eishöhlen in seiner Flanke.

Dazwischen flogen Schwarzbrauenalbatrosse, Graukopfalbatrosse, Prionen und Sturmvögel. Ein Eisberg dieser Größe ist kein totes Objekt — er ist eine Struktur im offenen Ozean, an der sich Leben sammelt.

Warum wird vor Südgeorgien gestaubsaugt?

Weil Südgeorgien eines der strengsten Biosicherheitsregime der Welt hat. Am Tag vor der ersten Anlandung stand eine verpflichtende Sitzung an, die das Logbuch trocken beschreibt: eine Art „Finde-einen-Samen-oder-eine-fremde-Art"-Wettbewerb an Kleidung, Stiefeln und Ausrüstung.

Aus der Hotelabteilung geliehene Staubsauger saugten „jede Naht, jede sandgefüllte Tasche und jeden samenbedeckten Klettverschluss" ab, bevor der Expeditionsleiter jedes Teil einzeln kontrollierte und freigab. Der Hintergrund ist ernst: Eingeschleppte Ratten und Rentiere hatten die Vogelwelt Südgeorgiens beinahe zerstört; die Insel wurde in einer der größten Ausrottungsaktionen der Naturschutzgeschichte davon befreit. Ein einziger Grassamen im Stiefelprofil kann diese Arbeit zunichtemachen.

Wie sieht eine Anlandung auf Südgeorgien aus?

Am 26. Januar in Elsehul zunächst gar nicht: Der Nebel war so dicht, dass die Gruppe die Küste erst sah, als sie unmittelbar davorstand. Die Zodiacs fuhren, wie es im Logbuch heißt, „blind in den Nebel hinein".

Was dann auftauchte, war eine Brutkolonie von Goldschopfpinguinen hoch an der Klippe im Tussockgras, viele davon am Wasserrand, wo sie in die Brandung sprangen. Dazu Königspinguine in der Mauser, Eselspinguine — und der Südgeorgien-Pieper, der einzige Singvogel der Reise und endemisch auf der Insel.

Am Nachmittag in Right Whale Bay war der Nebel noch dichter. Das Schiff wurde verlassen, ohne dass das Ufer zu sehen war; der Strand tauchte plötzlich aus dem Grau auf. Dann der Aufstieg auf einen tussockbewachsenen Hügel — und oben, so das Logbuch, „waren wir sprachlos, als wir Tausenden von Königspinguinen gegenüberstanden".

Königspinguine am Ufer der Fortuna Bay auf Südgeorgien vor schneebedeckten Bergen
Fortuna Bay auf Südgeorgien. Rund 5.000 Königspinguin-Paare brüten hier — und weil der Brutzyklus über ein Jahr dauert, ist die Kolonie nie leer.Foto: Sanneke van der Sanden / Oceanwide Expeditions

Was hat Shackleton mit Fortuna Bay zu tun?

Die Bucht liegt auf der Strecke, die Ernest Shackleton 1916 zu Fuß überquerte. Nachdem die Endurance im Weddellmeer zerdrückt worden war und er mit fünf Männern im Rettungsboot Südgeorgien erreicht hatte, ging er über die unkartierten Berge der Insel — bis zur Walfangstation Stromness, wo er Hilfe fand.

Am 27. Januar landete die Gruppe genau dort. Das Logbuch nennt es „ein unglaubliches Gefühl, einigen Schritten des Boss selbst zu folgen".

Fortuna Bay ist zugleich eine Kinderstube. Die antarktischen Seebärenjungen waren ein bis zwei Monate alt, geboren zwischen Mitte November und Ende Dezember. Sie werden nach der ersten Woche allein an Land gelassen, während die Mütter zwischen Nahrungssuche und Säugen pendeln — die ziegenartigen Rufe der Jungen und die Antwortrufe der Mütter tragen über Hunderte Meter. Fünf Meter Abstand zu halten, notiert das Logbuch, sei bei so neugierigen Jungtieren „extrem schwer" gewesen.

In der Kolonie brüten rund 5.000 Königspinguin-Paare. Auf dem Rückweg zum Landeplatz kalbte ein gestrandeter Eisberg: Ein großes Stück brach ab, schlug ins Wasser und schickte eine Welle Richtung Ufer.

Vogelgrippe auf Südgeorgien — was heißt das für Reisende?

Das Logbuch verschweigt es nicht. In Right Whale Bay lagen „viele Robbenkadaver am Strand, von Erwachsenen wie von Jungtieren — ein Zeichen der Vogelgrippe, die in Südgeorgien nach wie vor sehr präsent ist".

Die hochpathogene Variante H5N1 hat seit 2023 die Subantarktis erreicht und trifft besonders Seebären und Seeelefanten. Für Reisende bedeutet das: strengere Abstandsregeln, gelegentlich gesperrte Anlandeplätze und die verschärfte Desinfektion von Stiefeln. Wer eine Reise dorthin plant, sollte damit rechnen, dass einzelne Landgänge kurzfristig entfallen — nicht wegen des Wetters, sondern zum Schutz der Tiere.

Wo liegen die Südlichen Sandwichinseln?

Rund 750 Kilometer südöstlich von Südgeorgien, als Bogen aus elf vulkanischen Inseln im offenen Südatlantik. Sie sind unbewohnt, haben keinen Hafen und keinen geschützten Ankerplatz, und sie liegen genau in der Zugbahn der Tiefdruckgebiete des Südpolarmeeres. Deshalb steht auf kaum einem Reiseplan ein garantierter Landgang — man fährt hin und sieht, was das Wetter zulässt.

Vulkanische Insel der Südlichen Sandwichinseln, teils in Wolken, mit Gletscher am Hang
Die Südlichen Sandwichinseln sind ein Bogen aus elf Vulkaninseln — unbewohnt, ohne Hafen und selten besucht.Foto: Jan Belgers / Oceanwide Expeditions

Zavodovski: die stinkendste Insel der Welt

Am 29. Januar passierte die Ortelius gegen 18:00 Uhr südlich von Zavodovski. Die Bedingungen: 4,2 Meter Wellenhöhe, Böen bis 35 Knoten, 1 °C Lufttemperatur — und ein Windchill von etwa −16 °C. Wer sich auf Deck 6 hinauswagte, bekam die Antarktis zum ersten Mal in voller Härte zu spüren.

Der Hausberg, Mount Curry, ist ein aktiver Stratovulkan von 551 Metern. Aus Fumarolen nahe dem Gipfel treten Schwefelgase aus. Sie sind einer der Gründe für den Beinamen der Insel — der andere lag an diesem Abend unmissverständlich in der Luft: der Geruch von Pinguinguano.

Denn Zavodovski beherbergt geschätzt 1,3 Millionen Brutpaare Zügelpinguine — die größte Zügelpinguin-Kolonie der Erde. Die vulkanische Wärme hält Teile der Insel schneefrei, was diese Konzentration überhaupt erst möglich macht.

Zügelpinguine an einem vulkanischen Hang der Südlichen Sandwichinseln
Zügelpinguine an einem Vulkanhang. Auf Zavodovski brüten geschätzt 1,3 Millionen Paare — die größte Kolonie dieser Art weltweit.Foto: Oceanwide Expeditions

Der Vulkan mit dem Lavasee

Am 30. Januar stand die Gruppe um 4:00 Uhr morgens auf der Brücke, um an Saunders Island vorbei in die Cordelia Bay einzulaufen. Das Logbuch würdigt das ausdrücklich: verschlafene Augen, festgehaltene Thermoskannen — und die Entscheidung für die Entdeckung statt für die Bequemlichkeit.

Saunders wird von Mount Michael gekrönt, einem der wenigen Vulkane der Erde, in dem ein dauerhafter Lavasee nachgewiesen ist. Weltweit sind nur eine Handvoll solcher Seen bekannt. Die Gipfel blieben an diesem Morgen im Nebel — was, wie das Logbuch anmerkt, die rohe Kraft des Ortes eher unterstrich als schmälerte.

Die zweite Zodiacfahrt in der Geschichte dieses Ortes

Am Nachmittag öffnete sich ein Wetterfenster, und die Ortelius lief in die geflutete Vulkancaldera zwischen Thule und Cook Island ein. Von den Zodiacs aus waren die Reste der argentinischen Station Corbeta Uruguay deutlich zu sehen — 1982 im Zuge der britischen Operation Matchstick zerstört. An den Ufern standen Zügelpinguine, zwischen den Felsen lagen Seebären.

Nach zweieinhalb Stunden schlug das Wetter um. Die zunehmende Krängung des Schiffes zeigte es an, die Sicht fiel auf wenige Hundert Meter, und die Berge, die eben noch rundum standen, verschwanden in den Wolken. Das Logbuch hält den Satz fest, der diese Reise zusammenfasst:

„Dies war erst die zweite Zodiacfahrt, die jemals an diesem bemerkenswerten Ort durchgeführt wurde."

Am selben Abend überquerte das Schiff 60° Süd — jene Breite, die völkerrechtlich den Beginn der Antarktis markiert.

Wann fährt man dorthin — und was sollte man mitbringen?

Das Fenster für Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln liegt zwischen November und Februar. Im November und Dezember sind die Robbenstrände am vollsten und die Königspinguin-Küken vom Vorjahr noch da; im Januar und Februar ist es milder, die Seebärenjungen sind aktiv, und die Wahrscheinlichkeit steigt, weiter nach Süden durchzukommen.

Praktisch heißt das:

  • Seetauglichkeit. Zwischen Südgeorgien und den Sandwichinseln liegen Tage auf offener See mit 4-Meter-Wellen.
  • Wind- und wasserdichte Kleidung in Schichten plus Gummistiefel — bei 1 °C und Wind entspricht das gefühlt −16 °C.
  • Ausrüstung, die man staubsaugen kann. Klettverschlüsse und tiefe Profile kosten in der Biosicherheitskontrolle Zeit.
  • Gelassenheit gegenüber dem Programm. Auf dieser Route ist kein Landgang garantiert, auch kein einziger.

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Grundlage dieses Beitrags ist das Bordlogbuch der M/V Ortelius zur Reise „Remote Weddell Sea Explorer" vom 22. Januar bis 18. Februar 2026 (Oceanwide Expeditions). Kapitän: Remmert Costa. Expeditionsleiter: Chris Long. Alle Positionen, Zahlen und Beobachtungen stammen aus diesem Logbuch. Die Fotos stammen aus dem Bildarchiv von Oceanwide Expeditions und zeigen die beschriebenen Orte und Tiere, nicht zwingend diese Reise.


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