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Aus den Logbüchern

Scoresbysund: zwei Logbücher derselben Route

Zodiac mit Gästen vor einem Eisberg im Scoresbysund — Ostgrönland

Der Scoresbysund an Grönlands Ostküste ist das größte Fjordsystem der Erde. Sein Hauptarm reicht rund 350 Kilometer ins Landesinnere, und von ihm zweigen Fjorde ab, die selbst wieder die Länge norwegischer Rekordhalter erreichen. Eine Reise dorthin hat kein Ziel im üblichen Sinn — man fährt tagelang in ein Labyrinth hinein und wieder heraus.

Wir haben zwei Bordlogbücher derselben Route ausgewertet, aufgenommen im Abstand von einem Jahr: die MS Ortelius Ende August 2025 und die MS Hondius Anfang September 2026. Beide fuhren ab Akureyri, beide zehn Tage, beide dieselben Orte. Was sie erlebten, ging teilweise weit auseinander — und genau das ist die ehrlichste Auskunft, die wir über diese Reise geben können.

Zwei Reisen, dieselbe Route, gegensätzliche Ergebnisse

Die Ortelius erreichte Ittoqqortoormiit bei Böen von 45 Knoten. Das Schiff lag zwei Stunden vor dem Ort, alle sahen die Häuser, die Kirche, die Wetterstation — an Land kam niemand. Ein Jahr später ging die Hondius bei Windstärke eins in derselben Bucht problemlos an Land. Umgekehrt bei der Anreise: Die Ortelius querte die Dänemarkstraße bei mäßigem Seegang, die Hondius traf auf vier Meter hohe Wellen und auf dem Rückweg auf fünf bis sechs Meter. Das Logbuch nennt es das schlechteste Wetter der Saison. Wer sich vor einer Buchung eine belastbare Erwartung bilden will, findet sie in dieser Spanne — nicht in einem einzelnen Erfahrungsbericht.

Die Dänemarkstraße kostet zwei Tage und ist nicht verhandelbar

Der Scoresbysund lässt sich nicht anfliegen. Die Reise beginnt in Akureyri im Norden Islands, und dazwischen liegen rund 400 Seemeilen offenes Wasser. Ein voller Seetag hin, einer zurück. In der Nacht überqueren die Schiffe den Polarkreis auf Höhe von Grimsey, einer kleinen Insel vor Islands Nordküste. Was das bedeutet, hängt vom Wetter ab: Im Logbuch der Ortelius steht nüchtern „mäßiger Seegang", im Logbuch der Hondius stehen vier Meter Welle, Nebel und ein Schiff, das bei jeder Dünung ächzte. Wer zu Seekrankheit neigt, sollte diese zwei Tage einplanen und vorsorgen.

Vikingebugt und die sechseckigen Säulen von Helgenaes

Die Vikingebugt ist mit vierzehn Kilometern Länge und sechs Kilometern Breite die größte der äußeren Buchten. An ihrem Ende entwässert der Bredegletscher den Rand des Geike-Eisfelds ins Meer. Berühmt ist sie jedoch für etwas anderes: die Basaltsäulen von Helgenaes an ihrer nordöstlichen Ecke. Sechseckige Gesteinssäulen, entstanden, als Lava tief unter der Erde langsam abkühlte und beim Schrumpfen in geometrische Formen brach. Beide Logbücher verzeichnen die Zodiac-Fahrt entlang dieser Wände, beide bei Regen oder Nebel — und beide beschreiben, dass die Formationen im grauen Licht beinahe unwirklich aussehen.

Harefjord: der innerste Arm, am nächsten am Inlandeis

Harefjord liegt am westlichen Ende des Fjordsystems und damit näher am grönländischen Inlandeis als jeder andere befahrbare Punkt der Route. Die Hänge fallen steil ab; wo sich Tundra hält, leben Moschusochsen und Schneehasen. Beide Schiffe setzten hier ihre Langstreckenwanderer ab. Bei der Hondius dauerte die Tour sieben bis acht Stunden, bei der Ortelius querte die Gruppe zu Fuß die Landzunge zum benachbarten Rypefjord, wo das Schiff sie wieder aufnahm. Am Morgen des 8. September 2026 lag die Temperatur hier bei zwei Grad — dem kältesten Wert beider Reisen.

Ittoqqortoormiit: 350 Menschen, 500 Kilometer bis zum Nachbarn

Der Ort am Eingang des Fjordsystems ist die einzige dauerhafte Siedlung an Grönlands gesamter Ostküste. Rund 350 Menschen leben in bunten Holzhäusern, die den Hang hinaufsteigen; gegründet wurde die Siedlung 1925, und bis zum nächsten bewohnten Ort sind es über 500 Kilometer. Von hier beginnt der Nordost-Grönland-Nationalpark, der größte Nationalpark der Erde. Ob man ihn betreten kann, entscheidet der Wind am Tag der Ankunft. Bei zwei ausgewerteten Reisen gelang es einmal.

Charcot Havn im September: rote Tundra, frischer Schnee

Am 12. September 2026 hörte der Regen auf, die Wolken hoben sich, und im Logbuch der Hondius steht die Beschreibung eines Tages, für den viele Gäste kommen: die Tundra in Herbstfarben, rot und orange über die ganze Fläche, und auf den umliegenden Gipfeln frisch gefallener Schnee. Charcot Havn ist ein kleiner Naturhafen im Fjordsystem, benannt nach dem französischen Polarforscher Jean-Baptiste Charcot. Der Farbwechsel der arktischen Tundra ist einer der Gründe, warum die September-Abfahrten so gefragt sind.

Was man an Bord tatsächlich tun kann

Beide Logbücher nennen dieselbe Aufteilung, und sie ist präziser, als Kataloge es meist beschreiben. Die Langstreckengruppe geht fünf bis acht Stunden, die mittlere zwei bis vier, die kurze eineinhalb bis zwei — letztere innerhalb eines von Guides gesicherten Bereichs, mit Zodiac-Rückfahrt zum Schiff für alle, die früher zurückwollen. Dazu kommen Zodiac-Fahrten an Eisbergen und Basaltwänden. Auf der Ortelius tauchte eine Gruppe mit Trockenanzügen bei Wassertemperaturen zwischen null und neun Grad; auf der Hondius gab es ein Kajak-Team, einen Fotografie-Workshop am Bug und Vorträge über Gletscherdynamik, Wale und den Grönlandhai. Gummistiefel wurden auf beiden Schiffen an Bord ausgegeben.

Eisbären: möglich, aber nicht verlässlich

Im Logbuch der Ortelius steht eine Sichtung: Am 2. September 2025 fand das Expeditionsteam beim Erkunden der Südküste von Pooqattaq, der westlichsten der Bäreninseln, einen Eisbären. Die geplante Anlandung wurde daraufhin abgesagt — wo ein Bär ist, geht niemand an Land. Stattdessen fuhren die Zodiacs zwischen die Eisberge, und viele Gäste sahen ihn von dort. Auf der Hondius-Reise ein Jahr später verzeichnet das Logbuch keine Bärensichtung. An Grönlands Ostküste fehlt das ausgedehnte Packeisrevier, das Spitzbergen im Sommer vorgelagert hat; wer gezielt wegen Eisbären reist, ist dort besser aufgehoben.

Wann fahren und mit welchem Schiff

Die Saison läuft von Juli bis Anfang Oktober, mit deutlichem Schwerpunkt im Spätsommer: In unserem Programm liegen sechs Abfahrten im Juli, dreizehn im August, siebzehn im September und zwei im Oktober. Der September bringt die Herbstfärbung der Tundra und die höchste Wahrscheinlichkeit für Nordlichter, dafür kürzere Tage und die ersten Stürme. Bei den Schiffen reicht die Spanne von der Sea Spirit ab rund 5.700 Euro über Hondius und Ortelius im mittleren Bereich bis zu Greg Mortimer und Ultramarine jenseits von 14.000 Euro; die Reisedauer liegt zwischen zehn und einundzwanzig Tagen. Mit der MS Cape Race ist auch ein durchgehend deutschsprachiges Schiff im Revier unterwegs.

Häufige Fragen

Wo liegt der Scoresbysund und wie kommt man hin?

An der Ostküste Grönlands; es ist mit einem rund 350 Kilometer langen Hauptarm das größte Fjordsystem der Erde. Erreicht wird er ausschließlich per Schiff, in der Regel ab Akureyri im Norden Islands. Dazwischen liegen etwa 400 Seemeilen offenes Wasser, für die ein voller Seetag eingeplant wird — hin wie zurück. Unterwegs überqueren die Schiffe den Polarkreis auf Höhe der isländischen Insel Grimsey. Einen Linienflug in die Region gibt es nicht; Ittoqqortoormiit, der einzige Ort, hat nur eine Hubschrauberverbindung.

Wie lange dauert eine Scoresbysund-Reise?

Die kürzesten Reisen in unserem Programm dauern zehn Tage, die längsten einundzwanzig. Die beiden hier ausgewerteten Logbücher beschreiben jeweils zehn Tage von Akureyri nach Akureyri: die MS Ortelius vom 30. August bis 8. September 2025, die MS Hondius vom 5. bis 14. September 2026. Davon entfallen zwei Tage auf die Überfahrt, sodass etwa sechs bis sieben Tage für das Fjordsystem bleiben. Der nördlichste Punkt lag bei beiden Reisen bei Sydkap auf rund 71°17′ Nord.

Wie warm ist es im Scoresbysund im September?

Zwischen zwei und sieben Grad im Fjord, das zeigen beide Logbücher übereinstimmend. Die Ortelius maß an ihren Expeditionstagen +5 bis +7,3 °C, die Hondius +2 bis +6 °C, jeweils mittags. In Akureyri lagen die Werte bei +7 bis +10,8 °C. Entscheidend für das Empfinden ist der Wind: Am selben Tag, an dem das Thermometer drei Grad zeigte, erreichten die Böen vor Ittoqqortoormiit 45 Knoten.

Wie rau ist die Überfahrt über die Dänemarkstraße?

Sehr unterschiedlich, und das ist keine Ausrede. Die Ortelius querte im August 2025 bei mäßigem Seegang. Die Hondius traf im September 2026 auf der Hinfahrt vier Meter hohe Wellen bei Nebel — das Logbuch nennt es das schlechteste Wetter der Saison — und auf der Rückfahrt fünf bis sechs Meter bei Windstärke neun. Nicht alle Gäste kamen an diesen Tagen zum Frühstück. Wer zu Seekrankheit neigt, sollte vorsorgen; an Bord wird rechtzeitig darauf hingewiesen, und die Mahlzeiten werden dann als Buffet serviert.

Sieht man im Scoresbysund Eisbären?

Möglich, aber deutlich weniger verlässlich als in Spitzbergen. Von den beiden ausgewerteten Reisen verzeichnet eine eine Sichtung: Am 2. September 2025 stand ein Eisbär an der Südküste von Pooqattaq, der westlichsten der Bäreninseln. Die zweite Reise meldet keine. Bemerkenswert ist die Folge der Sichtung — die geplante Anlandung wurde abgesagt, weil niemand dort an Land geht, wo ein Bär ist; stattdessen gab es eine Zodiac-Fahrt, von der aus viele Gäste ihn sahen. An Grönlands Ostküste fehlt das ausgedehnte Packeisrevier, das Spitzbergen vorgelagert hat.

Welche Tiere sieht man in Ostgrönland?

Die Logbücher nennen Moschusochsen, oft mit Jungtieren, Polarfüchse, Schneehasen, Schneehühner und Schneeammern; an den Steilhängen des Harefjords halten sich Moschusochsen und Hasen dort, wo Tundra wächst. Der seltenste Fund war eine Schnee-Eule auf einem Gipfel der Bäreninseln. Auf See begleiten Eissturmvögel die Schiffe. Die Wildtierdichte ist in Ostgrönland spürbar geringer als in Spitzbergen — dafür ist die Landschaft ungleich größer.

Kann man Ittoqqortoormiit besuchen?

Es steht auf nahezu jeder Scoresbysund-Reise im Programm, gelingt aber nicht immer. Die Siedlung zählt rund 350 Einwohner, wurde 1925 gegründet und liegt über 500 Kilometer vom nächsten bewohnten Ort entfernt; sie ist der Zugang zum Nordost-Grönland-Nationalpark. Bei den beiden ausgewerteten Reisen gelang der Landgang einmal und fiel einmal aus: 2025 verhinderten Böen bis 45 Knoten und zu hoher Seegang an der Gangway ein sicheres Übersetzen, 2026 herrschte am selben Ort Windstärke eins.

Welche Aktivitäten werden an Bord angeboten?

Die Wandergruppen sind nach Länge gestaffelt: fünf bis acht Stunden für die Langstrecke, zwei bis vier Stunden mittel, eineinhalb bis zwei Stunden kurz — letztere in einem von Guides gesicherten Bereich, mit Zodiac-Rückfahrt für alle, die früher zurückwollen. Dazu Zodiac-Fahrten an Eisbergen und Basaltwänden. Je nach Schiff kommen Tauchgänge mit Trockenanzug (Wassertemperatur null bis neun Grad), ein Kajak-Programm, Fotografie-Workshops und Vorträge über Gletscher, Wale und den Grönlandhai hinzu. Gummistiefel werden an Bord ausgegeben.

Wann ist die beste Zeit für den Scoresbysund?

Die Saison reicht von Juli bis Anfang Oktober. In unserem Programm liegen sechs Abfahrten im Juli, dreizehn im August, siebzehn im September und zwei im Oktober. Der August bietet die längsten Tage und die mildesten Temperaturen. Der September bringt die Herbstfärbung der Tundra — im Logbuch der Hondius als „rot und orange über die ganze Fläche" beschrieben, mit frischem Schnee auf den Gipfeln — dazu die ersten Nordlichter, aber auch kürzere Tage und die ersten Herbststürme.

Was kostet eine Reise in den Scoresbysund?

Die Spanne ist erheblich. In unserem aktuellen Programm beginnen die Reisen bei rund 5.700 Euro pro Person auf der MS Sea Spirit; Hondius und Ortelius liegen im mittleren Bereich ab etwa 6.800 beziehungsweise 7.550 Euro, während Komfortschiffe wie Greg Mortimer oder Ultramarine jenseits von 14.000 Euro beginnen. Die Reisedauer zwischen zehn und einundzwanzig Tagen erklärt einen Teil des Unterschieds, die Kabinenkategorie und der Bordstandard den Rest. Mit der MS Cape Race ist auch ein durchgehend deutschsprachiges Schiff im Revier unterwegs.

Reisen in den Scoresbysund

Diese Expeditionen führen in das hier beschriebene Fjordsystem — dieselben Orte, dieselben Schiffe wie in den ausgewerteten Logbüchern.

MS PLANCIUS Ostgrönland, Scoresby Sund, einschließlich langer Wanderungen 10 Tage · ab 7.900 € MS Sea Spirit Nordlichter im Scoresbysund: Ostgrönland | MS SEA SPIRIT 11 Tage · ab 5.667 € MS Sea Spirit Nordlichter im Scoresbysund: Ostgrönland | MS SEA SPIRIT 11 Tage · ab 5.667 € MS PLANCIUS Ostgrönland, Scoresby Sund, einschließlich langer Wanderungen 10 Tage · ab 5.244 € SV REMBRANDT VAN RIJN Ostgrönland, Scoresby Sund - Polarlichter, Fliegen und Segeln 11 Tage · ab 5.750 € SV REMBRANDT VAN RIJN Ostgrönland – Scoresby Sund – Island , Aurora Borealis, Fly & Sail 12 Tage · ab 5.800 €

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Alle Beobachtungen stammen aus den Bordlogbüchern der MS Ortelius (30. August bis 8. September 2025) und der MS Hondius (5. bis 14. September 2026), geführt von der jeweiligen Expeditionsleitung. Positionen, Wetterdaten und Sichtungen sind unverändert übernommen. Schiffs-, Preis- und Terminangaben entsprechen unserem Programmstand vom August 2026.

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