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◆ Expeditionswissen

Drei Welten, eine Reise: die große Antarktis-Expedition mit Falkland und Südgeorgien

Die lange Antarktis-Route ab Ushuaia verbindet drei Welten in einer Reise: Falklandinseln, Südgeorgien und die Antarktische Halbinsel. Warum sie als die eigentliche Antarktis-Expedition gilt, was die...

Autor Leguan Reisen
Lesezeit 5 Minuten
Thema Expeditionswissen

Wer sich einmal mit der Antarktis beschäftigt, stößt schnell auf eine Entscheidung: die kurze Halbinsel-Reise oder die große Runde über den Südatlantik. Die klassische Antarktis-Kreuzfahrt führt in zehn bis elf Tagen über die Drake-Passage zur Antarktischen Halbinsel und zurück – grandios, aber ein Ausschnitt. Die lange Route von rund 19 bis 21 Tagen ab Ushuaia nimmt zwei weitere Welten dazu: die Falklandinseln und Südgeorgien. Sie verbindet drei völlig verschiedene Ökosysteme, die geballte Geschichte des Walfangs und der Antarktis-Entdeckung und die größten Tierversammlungen unseres Planeten. Sie ist kein Ausflug, sondern eine Expedition.

Die Schiffe – kleine, eisverstärkte Expeditionsschiffe mit meist unter 200 Passagieren – laufen von Ushuaia aus, gelegentlich von Puerto Madryn. Von dort geht es nach Osten zu den Falklandinseln, weiter durch die Scotia-See nach Südgeorgien und schließlich nach Süden zur Antarktischen Halbinsel, oft mit Abstecher zum Weddellmeer oder zu den Süd-Orkney-Inseln. Zwischen den Landgebieten liegen lange Seetage – und die gehören zum Erlebnis dazu.

Erste Welt: die Falklandinseln

Die Falklandinseln sind ein Archipel aus zwei Hauptinseln und rund 780 kleineren Eilanden, gut 400 Seemeilen vor der südamerikanischen Küste. Sie sind noch nicht Antarktis, sondern subantarktisch: windgepeitschtes, grünes Tussock-Grasland, dramatische Klippen, geschützte Sandbuchten – ein sanfter Einstieg in die Tierwelt des Südens, bevor das Eis beginnt. Typische Anlandeplätze sind New Island, Carcass Island, Saunders Island und Steeple Jason sowie die kleine Hauptstadt Stanley. Steeple Jason beherbergt die größte Schwarzbrauenalbatros-Kolonie der Welt.

Tierwelt: Felsenpinguine mit gelben Federbüscheln, Schwarzbrauenalbatrosse dicht am Nest, Esels- und Magellanpinguine, der seltene Falkland-Karakara sowie Commerson-Delfine in den Buchten.

Zweite Welt: Südgeorgien – das Herzstück

Wenn die Reise ein Zentrum hat, dann hier. Südgeorgien wird zu Recht als „Serengeti des Südpolarmeeres" beschrieben: An kaum einem Ort der Erde drängt sich so viel Leben auf so engem Raum. Die Königspinguin-Kolonien von St. Andrews Bay, Salisbury Plain und Gold Harbour zählen jeweils Hunderttausende Vögel. Dazwischen liegen Antarktische Seebären (über 95 % der Weltpopulation brüten hier) und tonnenschwere Südliche See-Elefanten. Auf der vorgelagerten Prion Island nistet – in ausgewählten Wochen zugänglich – der Wanderalbatros mit der größten Flügelspannweite aller Vögel.

Geschichte am Wegrand Südgeorgien ist auch ein Freilichtmuseum. In den verfallenden Walfangstationen Grytviken, Stromness, Leith und Ocean Harbour rostet die Industrie, die das Südpolarmeer im 20. Jahrhundert fast leer fischte. In Grytviken liegt das Grab von Ernest Shackleton – traditionell wird dort mit einem Whisky auf „the Boss" angestoßen.

Auf Shackletons Spuren

Kaum eine Route verbindet die berühmteste Überlebensgeschichte der Polargeschichte so vollständig wie diese. 1916 strandete Ernest Shackletons Mannschaft nach dem Verlust der Endurance im Packeis auf Elephant Island – am kargen Point Wild, den viele lange Touren passieren. Von dort segelte Shackleton mit fünf Männern im offenen Rettungsboot 1.300 Kilometer über die stürmische Scotia-See nach Südgeorgien, überquerte zu Fuß das unkartierte Inselgebirge und erreichte die Walfangstation Stromness. Seine ganze Mannschaft überlebte. Wer diese Reise fährt, sieht die Schauplätze in ihrer echten Reihenfolge.

Dritte Welt: die Antarktische Halbinsel

Südlich der Scotia-See beginnt der weiße Kontinent selbst: kalbende Gletscher, gestrandete Tafeleisberge aus dem Weddellmeer, spiegelglatte Buchten. Klassische Anlandeplätze:

  • Neko Harbour und Paradise/Cierva Cove – Anlandung auf dem Festland, Gletscherkulisse
  • Danco Island, Cuverville, Orne Harbour, Portal Point – Pinguinkolonien und Aussichtsanstiege
  • Brown Bluff, Gourdin Island, Devil Island am Rand des Weddellmeeres – Adélie- und Zügelpinguine, Tafeleisberge
  • Deception Island – die überflutete Caldera eines aktiven Vulkans
  • Half Moon, Mikkelsen Harbour, Yalour- und Pleneau-Inseln, Lemaire-Kanal – weiter südlich, wenn das Eis es zulässt

Tierwelt: Esels-, Zügel- und Adéliepinguine; Buckel-, Zwerg- und Finnwale, im Spätsommer regelmäßig Orcas; Weddell-, Krabbenfresser- und Seeleoparden.

Die Monate im Vergleich – jede Phase hat ihr Gesicht

Die antarktische Reisesaison reicht von Oktober bis März. Weil das Leben im Süden einem strengen Jahresrhythmus folgt, ist jeder Monat eine andere Reise.

Oktober / November – Frühsaison

Unberührte Landschaft, tiefer frischer Schnee, das Weddellmeer am ehesten erreichbar. Auf Südgeorgien läuft die Brutzeit der See-Elefanten: gewaltige Bullen, erste Junge am Strand. Königspinguine tragen noch ihre braunen Vorjahresküken. Wale sind noch selten. Die abenteuerlichste, „polarste" Phase – einzelne Anlandeplätze können durch Eis blockiert sein.

Dezember – Frühsommer

Bis zu 20 Stunden Helligkeit, mildere Bedingungen. Pinguine legen Eier; auf Südgeorgien etablieren die Seebären ihre Reviere, erste Welpen kommen zur Welt. Die Falklandinseln stehen in vollem Grün. Der beste Kompromiss aus Schnee, Licht und Zugänglichkeit.

Weihnachten / Januar – Hochsommer

Jetzt schlüpfen die Pinguinküken massenhaft. Die Seebärenwelpen sind zahlreich und verspielt. Wärmste, hellste Zeit mit fast durchgehendem Tageslicht; die Königspinguin-Kolonien stehen auf ihrem Höhepunkt, die Zahl der Wale steigt.

Februar / März – Spätsommer

Die Küken sind groß, stehen in „Kindergärten" zusammen und mausern; die Kolonien sind pralles, lautes Leben. Es ist die beste Walzeit: Buckelwale in großer Zahl, oft beim gemeinschaftlichen Bubble-net-Feeding, dazu Finn-, Zwergwale und Orcas. Das Eis ist zurückgewichen – Schiffe dringen am weitesten nach Süden vor (Polarkreis, Yalour- und Pleneau-Inseln).

Warum die lange Tour so besonders ist

  • Drei Ökosysteme statt einem: subantarktische Inseln, das Wildtier-Superlativ Südgeorgien und der Eiskontinent – jeweils mit eigener Tierwelt und Farbe.
  • Die größten Tierversammlungen der Erde: Königspinguin-Kolonien in sechsstelliger Größe, Millionen Seebären, See-Elefanten, Albatrosse.
  • Geschichte zum Anfassen: Walfangstationen und die vollständige Shackleton-Route von Elephant Island bis zum Grab in Grytviken.
  • Die Seetage gehören dazu: stundenlang gleitende Albatrosse, Vorträge des Expeditionsteams, das langsame Ankommen im Süden.
  • Echter Expeditionscharakter: Kein Tag ist garantiert. Wetter, Eis und Tierwelt bestimmen den Plan – kleine Schiffe, Anlandung per Zodiac, striktes Naturschutz-Reglement (IAATO).
Praktisch gut zu wissen

Die Überfahrten führen über die Drake-Passage bzw. die offene Scotia-See – zwei See-Tage, die ruhig oder rau ausfallen können. Angelandet wird mit Zodiacs, oft zweimal täglich, wetterabhängig. Nach den IAATO-Regeln dürfen nur kleine Schiffe überhaupt landen (max. 100 Gäste gleichzeitig an Land).

Reisezeit-Kurzrat: Schnee & See-Elefanten → Okt/Nov · ausgewogen mit Küken & Licht → Dez/Jan · Wale & weiteste Südfahrt → Feb/März.

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