Vier Wochen hintereinander, dasselbe Schiff, derselbe Kapitän, dieselbe Ausschreibung, jeweils zehn Gäste an Bord. Und vier Reisen, die kaum etwas gemeinsam haben. Mehr waren es nicht — danach fuhr die Cape Race weiter nach Grönland. Wir haben alle vier Bordlogbücher nebeneinandergelegt: die vollständige Schottland-Saison 2026, mit den Wetterdaten von 32 Tagen.
Die Saison 2026 auf einen Blick
Die MS Cape Race fuhr im April und Mai 2026 vier Wochen in Folge ab Oban durch die Hebriden, danach ging es weiter nach Grönland. Diese vier Wochen waren die gesamte Schottland-Saison — es fehlt also nichts. Kapitän war durchgehend Mario Essl; die Expeditionsleitung hatten Frigga Kruse (Wochen 1 und 2) und Michelle van Dijk (Wochen 3 und 4).
| Woche | Wind | Wetter | Weiteste Punkte |
|---|---|---|---|
| 10.–17. April | 2–6 Bft | erst sonnig, dann drei Regentage | Harris, Rum, Plockton |
| 17.–24. April | 0–3 Bft | erst Regen, dann klarer Himmel | Barra, Vatersay, Jura, Colonsay |
| 24. April – 1. Mai | 0–3 Bft | überwiegend Sonne | St. Kilda, Harris, Eigg |
| 1.–8. Mai | 2–4 Bft | durchgehend bewölkt, trocken | Harris, Raasay, Staffa |
Die Lufttemperatur lag an allen 32 Tagen zwischen 7 und 13 °C, meist zwischen 8 und 11. Ein einziger Ausreißer nach oben: 17 °C am Anreisetag der dritten Woche in Glasgow.
Wie ist das Wetter in Schottland im April und Mai?
Kühl, wechselhaft und weniger nass, als der Ruf vermuten lässt. Von 32 Reisetagen war an fünf Regen im Logbuch vermerkt — drei davon in derselben Woche. Zwölf Tage waren sonnig oder klar, der Rest bewölkt und trocken.
Entscheidend ist nicht der Regen, sondern der Wind. Er bestimmt, welche Inseln erreichbar sind, ob eine Anlandung möglich ist und in welcher Bucht das Schiff die Nacht verbringt.
Was der Wind zuließ — und was nicht
Die erste Woche war die windigste: bis 6 Beaufort. Das steht so im Logbuch, und es ist dort auch abzulesen, was das praktisch bedeutet.
Am 14. April war die Gruppe auf Sanday unterwegs, Ziel die St.-Edwards-Kirche von 1890 und der Puffin Walk zur Papageitaucherkolonie. Nach etwa vier Kilometern kam der Funkspruch von Kapitän Mario: „The wind is increasing!" Die Gruppe drehte um. Statt der Papageitaucherkolonie gab es eine Herde Belted Galloways mit Kälbern — und die Papageitaucher später doch noch, vom Wasser aus, wenn auch weit weg.
Am Abend zuvor, tief im Loch Torridon, war ein Landgang wegen des Windes gar nicht erst möglich. Stattdessen wurde die Sauna an Bord angeworfen, und Frigga Kruse holte ein Buch mit Sagen der schottischen Küstenregionen hervor: die Blue Men of the Minch, das Selkie Wife, die Witches of Skye. Dazu drei Lieder über Einhörner und die Jakobiterkriege.
In der dritten Woche wurde vorgebaut statt reagiert: Am 30. April fuhr die Cape Race in die windgeschützte Bucht Loch Moidart, weil für den Folgetag mehr Wind angesagt war. Zwei Programmvarianten standen dort zur Wahl.
Vier Wochen, vier Routen
Das Bemerkenswerteste an den vier Logbüchern ist, wie wenig sie sich überschneiden. Dieselbe Ausschreibung, dieselbe Jahreszeit, dasselbe Revier — und ein Kunde, der in Woche 2 gefahren ist, hat ein anderes Schottland gesehen als einer in Woche 4.
| Woche 1 10.–17.4. | Loch Sunart · Morvern · Plockton am Loch Carron · Harris: Luskentyre und Tarbert · Canna & Sanday · Rum mit Kinloch Castle · Glenuig · Sound of Mull |
| Woche 2 17.–24.4. | Skye: Armadale Castle · Loch Coruisk · Canna · Vatersay · Barra: Castlebay · Iona · Staffa · Mull: Calgary Bay · Jura: Loch Tarbert · Colonsay: Kiloran Bay |
| Woche 3 24.4.–1.5. | Tobermory · Knock Bay & Eilean Donan · Scalpay & Luskentyre Sands · St. Kilda · Canna & Eigg · Loch Moidart |
| Woche 4 1.–8.5. | Iona & Staffa · Skye: Loch Coruisk · Rum · Harris: Tarbert & Luskentyre Sands · Skye: Portree · Raasay · Eigg · Loch Moidart · Mull: Tobermory |
Gemeinsam hatten alle vier: die Äußeren Hebriden wurden erreicht, es gab Anlandungen an jedem vollen Tag, und keine Woche folgte einem vorher festgelegten Plan.
Warum unterscheiden sich die Routen so stark?
Weil sie nicht vorher feststehen. Das ist keine Einschränkung, sondern das Prinzip: höchstens zwölf Gäste, ein wendiges Schiff und eine Expeditionsleitung, die jeden Morgen neu entscheidet, was das Wetter zulässt und wonach der Bordgesellschaft der Sinn steht. Auf diesen vier Reisen waren es jeweils zehn.
Wie stark das die Reise prägt, zeigt sich an Kleinigkeiten. In Woche 4 fischte Kapitän Mario beim Morgenausflug Plankton; nachmittags stand das Mikroskop im Salon, dazu ein Kurzfilm — die Gruppe fand Kieselalgen und Copepoden. Am Abend gab es den von ihm gefangenen Köhler mit Queller und Salzkartoffeln.
In Woche 3 fiel der 27. April auf einen Reisetag. Michelle van Dijk, Niederländerin, hatte für den Königstag Oranjebitter mitgebracht — den trinkt man in den Niederlanden nur an diesem einen Tag im Jahr.
St. Kilda: kein Programmpunkt, sondern eine Gelegenheit
St. Kilda liegt 64 Kilometer westlich der Äußeren Hebriden im offenen Atlantik. Die Inselgruppe ist UNESCO-Welterbe — als einzige in Großbritannien für Natur und Kultur gleichermaßen — und nur bei ruhiger See erreichbar.
Sie steht in keiner Ausschreibung, und sie wird nicht versprochen. In Woche 3 ging es. Am Morgen des 28. April stand im Logbuch: „TEMPERATUR: 8 °C; WIND: kein, bedeckt." Michelle van Dijk hat die Gelegenheit genommen.
Geweckt wurde um sechs Uhr, weil die Cape Race schon bei Stac an Armin stand: Vogelfelsen voller Basstölpel, dazu Schafe am Hang, Eissturmvögel, Lummen, Tordalken, Papageientaucher auf dem Wasser. Das Schiff umrundete Boreray und Stac Lee und ankerte dann vor Hirta in Loch Hiort.
In der Village Bay empfing eine Mitarbeiterin des National Trust for Scotland die Gruppe. 1697 gab es auf Hirta drei Kirchen für 180 Einwohner — die höchste je verzeichnete Zahl. Die Menschen lebten vom Fang von Seevögeln und dem Sammeln von Eiern an den Klippen; Fischfang betrieben sie nicht, die See war zu rau. 1920 waren es noch 73 Einwohner, 1928 nur noch 37. 1930 verließen die letzten die Insel. Geblieben sind die Ruinen und die Soay-Schafe, die seit den 1950er Jahren wissenschaftlich untersucht werden.
Am Nachmittag ging es mit den Zodiacs an den Vogelfelsen entlang und um die Insel Dún — Papageientaucher, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen, Lummen, Tordalken, Kormorane, Krähenscharben. Und durch eine Höhle.
Kommt man mit einer Hebriden-Reise nach St. Kilda?
Manchmal. Es hängt vom Wetter und von der Entscheidung an Bord ab und ist kein Bestandteil der Reise. Von den vier Wochen im Frühjahr 2026 war es in einer möglich — in der mit null Beaufort. Wer St. Kilda unbedingt sehen will, sollte das wissen und nicht danach buchen.
Umgekehrt gilt aber auch: Die drei anderen Wochen fuhren dafür Ziele an, die Woche 3 nicht gesehen hat — Barra und Vatersay, Jura und Colonsay, Raasay und Portree.
Was in jeder Woche gleich war
Bei allen Unterschieden gibt es einen festen Kern, und der steht in allen vier Logbüchern:
- Höchstens zwölf Gäste, darunter zwei Einzelkabinen — auf diesen vier Reisen waren jeweils zehn an Bord. Keine Gruppenteilung nach Nummern, keine Wartezeit an der Gangway.
- Anlandungen an jedem vollen Tag, meist zwei, per Zodiac direkt vom Schiff.
- Man muss nicht mit. Die Expeditionsleitung nimmt die Wandergruppe mit; wer lieber am Landeplatz bleibt oder auf eigene Faust geht, tut das.
- Der Ausgangs- und Endpunkt Oban, mit Bustransfer ab Glasgow.
- Wissen an Bord: Vorträge, Sagen, Geologie, Plankton unterm Mikroskop.
Für wen das passt — und für wen nicht
Wer eine feste Route sucht, an der jeder Tag im Voraus feststeht, ist mit einer Busrundreise oder einem großen Schiff besser bedient. Diese Reise gibt dafür keine Garantie und kann sie nicht geben.
Wer dagegen wissen will, wie die Hebriden wirklich sind, bekommt genau das: einen Kapitän, der beim Morgenausflug Plankton fischt, eine Expeditionsleiterin, die bei Sturm Sagen vorliest, und eine Gruppe, klein genug, dass eine spontane Idee die Route ändern kann.
Die Bandbreite dieser vier Wochen ist kein Betriebsunfall. Sie ist das Produkt.
Weiterlesen
- Die MS Cape Race – das Schiff für höchstens zwölf Gäste, mit zwei Einzelkabinen.
- Alle Reisen zu den Britischen Inseln
Welche Woche im Frühjahr zu Ihnen passt, lässt sich nicht am Kalender ablesen — aber wir können sagen, worauf es ankommt. Sprechen Sie uns an.
Grundlage dieses Beitrags sind die vier Bordlogbücher der MS Cape Race vom 10. April bis 8. Mai 2026 — die vollständige Schottland-Saison, bevor das Schiff nach Grönland weiterfuhr. Text der Logbücher: Frigga Kruse (Wochen 1 und 2) und Michelle van Dijk (Wochen 3 und 4). Fotos: Frigga Kruse, Rina Wesner und Michelle van Dijk.