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◆ Reiseberichte

Nordspitzbergen oder Spitzbergen-Umrundung? Zwei Logbücher im Vergleich

Acht Tage oder zehn, Nordwesten oder einmal herum: Wir haben zwei vollständige Bordtagebücher der MS Hondius nebeneinandergelegt — 901 gegen 1.145 Seemeilen, fünf gegen sieben Eisbären. Was die länger...

Lesezeit 10 Minuten
Thema Reiseberichte

Acht Tage oder zehn? Nordwesten oder einmal herum? Wer eine Spitzbergen-Kreuzfahrt plant, steht früher oder später vor dieser Entscheidung — und die Prospekttexte helfen dabei wenig, weil beide Routen dieselben Bilder zeigen: Eisbär, Packeis, Gletscher.

Wir haben deshalb zwei vollständige Bordtagebücher der MS Hondius aus dem Sommer 2026 nebeneinandergelegt: eine Nordspitzbergen-Fahrt im Juni und eine Spitzbergen-Umrundung im Juli. Dieselbe Reederei, dasselbe Schiff, dieselben Expeditionsleiter-Standards. Was sich unterscheidet, ist allein die Route — und genau das lässt sich damit sauber vergleichen.

Eisbär auf dem Packeis nördlich von Spitzbergen, weite Eisfläche bis zum Horizont
Ein Eisbär auf dem Packeis nördlich von Svalbard. Beide Routen fahren dorthin — das ist ihre größte Gemeinsamkeit. © Geert Kroes / Oceanwide Expeditions
◆ Film 40 Sekunden · mit Ton
Vierzig Sekunden Spitzbergen — Packeis, Vogelfelsen, Walrosse und die Weite, die beide Routen gemeinsam haben. © Oceanwide Expeditions

Die beiden Reisen in Zahlen

Beide Fahrten liefen mit der MS Hondius, einem Schiff mit Eisklasse Polar Class 6 und 170 Gästen. Die Unterschiede sind rein routenbedingt:

  Nordspitzbergen Umrundung
ReisecodeHDS05-26HDS08-26
Termin20.–27. Juni 202615.–24. Juli 2026
Dauer8 Tage10 Tage
Gefahrene Strecke901,7 sm (1.670 km)1.145 sm (2.120 km)
Nördlichster Punkt80°43,5′ N80°54,4′ N
Tage im Packeis22
Eisbären gesichtet57
Erreichte GebieteNordwesten, Hinlopen, PackeisNordwesten, Packeis, Nordaustlandet, Ostküste, Süden

Die 243 Seemeilen Unterschied klingen nach wenig. Sie sind aber genau der Grund, warum die eine Reise Nordaustlandet und den Hornsund sieht und die andere nicht.

Was beide Routen gemeinsam haben

Die erste Hälfte ist praktisch identisch, und sie enthält das, weswegen die meisten Gäste kommen.

Zwei volle Tage im Packeis

Beide Schiffe fuhren nördlich von Svalbard in die Eisrandzone und blieben dort zwei Tage. Das ist kein Abstecher, sondern der Kern beider Reisen: Der Kapitän sucht die Kante, an der das Treibeis dicht genug für Eisbären und offen genug für das Schiff ist.

Auf der Juni-Fahrt lag der nördlichste Punkt bei 80°43,5′ Nord, im Juli bei 80°54,4′ Nord — beide rund 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt. Die Lufttemperatur fiel dabei auf 0 bis −1 °C, während sie in den Fjorden bei +5 bis +8 °C lag.

Packeis nördlich von Spitzbergen im Juli, offene Wasserflächen zwischen Eisschollen unter blauem Himmel
Die Eisrandzone im Juli. Wo das Eis so offen liegt, kommt das Schiff durch — und die Bären jagen an der Kante. © Franco Banfi / Oceanwide Expeditions

Alkefjellet, der Vogelfelsen im Hinlopenstretet

Beide Routen führen durch die Hinlopenstraße zum Alkefjellet, wo rund 60.000 Brutpaare Dickschnabellummen an einer Dolerit-Steilwand nisten. Die Juni-Fahrt konnte bei spiegelglattem Wasser mit Zodiacs direkt unter die Wand fahren. Im Juli war der Wind zu stark für die Boote — die Gäste sahen die Kolonie nur vom Schiff aus.

Das ist die erste wichtige Erkenntnis für die Routenwahl: Beide Reisen planen dieselben Höhepunkte, aber das Wetter entscheidet, ob sie stattfinden. Wer eine bestimmte Anlandung fest einplant, plant falsch.

Die Dolerit-Steilwand von Alkefjellet in Spitzbergen mit brütenden Dickschnabellummen
Alkefjellet: 60.000 Brutpaare Dickschnabellummen an einer Wand aus schwarzem Dolerit. © Marloes Tiggeloven / Oceanwide Expeditions

Wale, Walrosse, Rentiere

Die Tierwelt unterschied sich kaum. Beide Fahrten sahen Belugas — die Juni-Reise schon am ersten Abend im Isfjorden, die Juli-Reise zum Abschied im Hornsund. Beide begegneten Walrossen, Bartrobben und Svalbard-Rentieren, beide sahen Polarfüchse.

Die Juni-Fahrt hatte dabei die selteneren Begegnungen: Narwale an zwei Tagen und einen Grönlandwal, der unerwartet neben dem Schiff auftauchte, während alle auf die Narwale schauten. Die Juli-Fahrt konterte mit einem Klappmützen-Jungtier auf einer Scholle — eine Art, die man in Svalbard selten zu Gesicht bekommt.

Gruppe von Belugas, Weißwalen, an der Wasseroberfläche vor Spitzbergen
Belugas. Beide Reisen sahen sie mehrfach — im Juni im Isfjorden und in Palanderbukta, im Juli im Hornsund. © Elke Lindner / Oceanwide Expeditions

Was nur die Umrundung bietet

Ab der Mitte trennen sich die Wege. Die Nordspitzbergen-Route kehrt an die Westküste zurück, die Umrundung fährt weiter nach Osten — und dort liegt der eigentliche Unterschied.

Brasvellbreen: die längste Gletscherfront der Nordhalbkugel

Vor Nordaustlandet erstreckt sich der Brasvellbreen über fast 200 Kilometer — eine durchgehende Eiswand mit herabstürzenden Schmelzwasserfällen. Das Schiff fuhr am Abend des sechsten Tages daran entlang, während im Speisesaal serviert wurde. Wer die Nordspitzbergen-Route wählt, sieht diesen Gletscher nicht. Er liegt schlicht zu weit östlich.

Die Ostküste und der Süden

Nach Nordaustlandet folgte die Umrundung der Ostküste nach Süden: Kapp Lee mit seiner Walross-Liegestelle, der gewaltige Negribreen, dann Boltodden mit Dinosaurierspuren aus der Kreidezeit — rund 140 Millionen Jahre alte Abdrücke im Fels, aus einer Zeit, als Svalbard erheblich weiter südlich lag.

Zum Abschluss der Hornsund ganz im Süden mit Gåshamna, wo Reste von Specköfen der Walfänger aus dem 17. Jahrhundert im Boden liegen, und Burgerbukta mit seinen Gletscherfronten.

Der Hornsund im Süden Spitzbergens mit Treibeis und Bergen im Hintergrund
Der Hornsund im Süden — auf der Nordspitzbergen-Route kommt man nie hierher. © Geert Kroes / Oceanwide Expeditions

Mehr Landschaftstypen

Die Umrundung zeigt Spitzbergen in seiner ganzen Bandbreite: die grünen, vogelreichen Fjorde des Westens, die Eiswüste des Nordens, die Gletscher der Ostküste und im Süden Berge, die eher an die Alpen erinnern. Die Nordspitzbergen-Route bleibt dagegen im Nordwesten — landschaftlich einheitlicher, dafür konzentrierter.

Was für die kürzere Route spricht

Die Umrundung klingt nach der besseren Reise. Das stimmt nur, wenn man Vielfalt zum Maßstab macht.

Mehr Zeit an jedem Ort

Die Nordspitzbergen-Fahrt legte in acht Tagen 902 Seemeilen zurück, die Umrundung 1.145 in zehn. Pro Tag heißt das 113 gegen 115 Seemeilen — praktisch gleich. Aber die Umrundung muss diese Strecke zwingend zurücklegen, um den Kreis zu schließen. Fällt ein Tag wegen Wetter aus, kann sie nicht einfach warten.

Die Nordspitzbergen-Route hat diese Freiheit. Als das Wetter am dritten Tag ideal war, blieb das Schiff einfach den ganzen Vormittag in Palanderbukta bei den Belugas, statt weiterzufahren. Solche Entscheidungen sind auf einer Rundreise mit festem Endpunkt schwerer.

Juni: Licht, Blüte, weniger Schiffe

Die Juni-Fahrt lag um die Sommersonnenwende — die Sonne geht dort oben zwischen April und August gar nicht unter, aber im Juni steht sie am höchsten. Das Meereis reicht dann noch weiter nach Süden, was die Chance auf Bären am Eisrand erhöht. Und es sind spürbar weniger Schiffe unterwegs als im Juli.

Im Juli dagegen blüht die Tundra in voller Farbe, die Vogelkolonien sind auf dem Höhepunkt, und die Walrosse liegen zuverlässiger an den Stränden.

Der Preis

Für 2027 beginnt die achttägige Nordspitzbergen-Fahrt bei 5.700 Euro pro Person, die zehntägige Umrundung bei 7.050 Euro. Diese Einstiegspreise gelten für einen Platz in der Mehrbettkabine.

Wer zu zweit in einer eigenen Kabine fährt, zahlt für die Doppelkabine mit Bullauge 7.400 Euro auf der kürzeren und 9.650 Euro auf der längeren Route — der Aufschlag für die zwei zusätzlichen Tage liegt dort also bei 2.250 Euro, nicht bei 1.350. Bei früher Buchung sinken beide Werte um etwa sechs Prozent, auf 6.916 beziehungsweise 8.986 Euro.

In allen Preisen enthalten sind die An- und Abreisepauschale mit Flug ab Oslo, die Hotelnacht vor der Einschiffung und sämtliche Transfers.

Eisbären: die ehrliche Antwort

Die häufigste Frage vor einer Spitzbergen-Reise mit Eisbären lautet, wo die Chancen besser stehen. Die beiden Logbücher geben eine klare, aber unbequeme Antwort.

Nordspitzbergen, Juni — fünf Bären: eine Mutter mit Jungtier am zweiten Tag, kurz darauf ein einzelner, auffällig verspielter Bär, und im Packeis ein Paar, das sich vor den Augen der Gäste paarte. Letzteres sehen selbst Expeditionsleiter mit zwanzig Saisons kaum je.

Umrundung, Juli — sieben Bären: einer im Packeis am fünften Tag, dann vier an einem einzigen Tag im Hinlopenstretet. Einer davon suchte Vogeleier an den Nistplätzen, ein weiterer legte sich ausgerechnet auf die geplante Anlandestelle in Torellneset und jagte dort die Walrosse ins Wasser. Die Anlandung fiel aus. Am nächsten Tag stand Bär Nummer sieben am nächsten geplanten Landeplatz.

Eisbär an der Küste Spitzbergens zwischen Felsen
Zweimal blockierte ein Bär auf der Juli-Fahrt die geplante Anlandung. Das ist kein Ausfall, sondern der Grund der Reise. © Wim van Passel / Oceanwide Expeditions

Zwei Bären Unterschied bei zwei Tagen mehr Reisezeit — das ist statistisch nichts. Die Route entscheidet nicht über die Bärenzahl. Was entscheidet, ist die Zeit im Packeis, und die ist bei beiden gleich: zwei Tage. Wer die Chancen wirklich erhöhen will, sucht nach Reisen mit drei oder mehr Tagen an der Eiskante, nicht nach der längeren Route.

Tag für Tag: die beiden Routen

Nordspitzbergen, 20.–27. Juni 2026

TagOrtPosition / Wetter
1Longyearbyen, Isfjorden — erste Belugas78°12,6′ N · +7 °C
2Smeerenburg, Frambukta — Bärin mit Jungem, erste Anlandung79°43,5′ N · +7 °C
3Palanderbukta, Alkefjellet — Belugas, Vogelfelsen per Zodiac79°38,0′ N · +5 °C
4Ins Packeis — Narwale, Grönlandwal, BBQ an Deck80°43,5′ N · +2 °C
5Im Packeis — zwei Bären, Narwal am Eisrand80°41,7′ N · +5 °C
6Lilliehöökbreen, Signehamna — deutsche Wetterstationen von 194379°20,4′ N · +5 °C
7St. Jonsfjorden, Poolepynten — Walrosse, Blütentundra78°31,0′ N · +8 °C
8Longyearbyen, Ausschiffung78°14,2′ N · +4 °C

Umrundung, 15.–24. Juli 2026

TagOrtPosition / Wetter
1Longyearbyen, Einschiffung78° N
2Lilliehöökbreen, Ny-Ålesund79° N
3Texas Bar, Monacobreen — Trapperhütte von 1927, 5 km Gletscherfront79°36,6′ N · +3 °C
4Packeis — Sattelrobben, Klappmützen-Jungtier, Nebel80°42,0′ N · 0 °C
5Packeis — Bär im Eis, Fotoworkshop80°54,4′ N · −1 °C
6Hinlopen, Torellneset, Brasvellbreen — vier Bären, 200 km Eisfront79°35,8′ N · +1 °C
7Kapp Lee, Negribreen — Bär Nr. 7, Walrosse, Rentiere, Arktis-BBQ78°04,4′ N · +5 °C
8Strongbreen, Boltodden — Dinosaurierspuren, Polarfuchs-Familie77°32,8′ N · +6 °C
9Gåshamna, Burgerbukta — Walfänger-Reste, Belugas zum Abschied76°56,7′ N · +7 °C
10Longyearbyen, Ausschiffung78°15,0′ N · +6 °C
Walrosse an einem Strand in Spitzbergen, teilweise im Wasser
Walrosse an der Küste. Beide Routen führen zu Liegeplätzen — im Juli sind sie zuverlässiger besetzt. © Geert Kroes / Oceanwide Expeditions

Was Sie über beide Reisen wissen sollten

Wie kalt wird es auf einer Spitzbergen-Kreuzfahrt?

Die Logbücher notieren die Mittagstemperatur jeden Tag. In den Fjorden lagen beide Reisen zwischen +3 und +8 °C, im Packeis zwischen −1 und +2 °C. Entscheidend ist nicht die Temperatur, sondern der Wind: Bei 6 Beaufort auf dem Vordeck fühlen sich +1 °C anders an. Wasserdichte Außenschicht, Mütze und Handschuhe braucht man im Juni wie im Juli.

Sieht man auf jeder Reise Eisbären?

Nein, garantieren lässt sich das nicht. Auf diesen beiden Fahrten waren es fünf und sieben Tiere — das ist überdurchschnittlich und hing an guten Eisbedingungen. Entscheidend ist die Zeit an der Eiskante: Beide Reisen verbrachten zwei volle Tage dort. Wer nur die Fjorde befährt, hat deutlich schlechtere Karten.

Wie viele Anlandungen gibt es?

Auf der Nordspitzbergen-Fahrt waren es vier Anlandungen und fünf Zodiac-Fahrten in acht Tagen, auf der Umrundung fünf Anlandungen und sechs Zodiac-Fahrten in zehn. In der Regel gibt es zwei Aktivitäten am Tag, außer an den Packeistagen — dort bleibt man an Bord, weil das Schiff selbst der Aussichtspunkt ist.

Wie anstrengend sind die Anlandungen?

Die Gruppen werden an jedem Landeplatz in lange, mittlere und kurze Wanderungen geteilt. Die langen Gruppen gingen auf der Juli-Fahrt bis zu zweieinhalb Stunden über unwegsames Gelände, die kurzen blieben in Strandnähe. Man entscheidet vor Ort und jeden Tag neu. Trittsicherheit auf nassen Steinen genügt, alpine Erfahrung braucht es nicht.

Lohnt sich die Umrundung gegenüber der kürzeren Route?

Wenn Sie zum ersten Mal in die Arktis fahren und vor allem Eisbären, Packeis und Gletscher sehen wollen: Die achttägige Nordspitzbergen-Route liefert das vollständig — und kostet in der Doppelkabine rund 2.250 Euro pro Person weniger. Wenn Sie Spitzbergen in seiner ganzen Bandbreite sehen wollen, Nordaustlandet und den Hornsund eingeschlossen, oder wenn Sie schon einmal dort waren: dann ist die Umrundung die richtige Wahl.

Wann ist die beste Reisezeit für Spitzbergen?

Juni bringt mehr Meereis, damit tendenziell bessere Eisbedingungen, das intensivste Licht um die Sommersonnenwende und weniger Schiffe. Juli bringt die blühende Tundra, Vogelkolonien auf dem Höhepunkt, verlässlichere Walross-Liegeplätze und mildere Temperaturen. Beides sind gute Monate — sie liefern nur unterschiedliche Reisen.

Alte hölzerne Trapperhütte an der Küste Spitzbergens vor Fjord und Bergen
Beide Routen führen an Trapperhütten vorbei — auf der Umrundung an der Texas Bar, die Hilmar Nøis 1927 baute. © Geert Kroes / Oceanwide Expeditions

Beide Routen im Sommer 2027

Die MS Hondius fährt beide Reisen im nächsten Jahr erneut, mit denselben Reisecodes:

Nordspitzbergen Entdecker — 8 Tage ab und bis Longyearbyen. Der Termin unseres Logbuchs, HDS05-27, liegt vom 15. bis 22. Juni 2027 und fällt auf die Sommersonnenwende. Günstigere Termine derselben Route beginnen ab dem 1. Juni bei 5.700 Euro pro Person.

Zur Nordspitzbergen-Route 2027 →

Rundum Spitzbergen — 10 Tage, dieselbe Umrundung wie im Logbuch. HDS08-27 startet am 8. Juli 2027, ab 7.050 Euro pro Person.

Zur Spitzbergen-Umrundung 2027 →

Wenn Sie unsicher sind, welche der beiden zu Ihnen passt: Rufen Sie uns an. Wir fahren diese Gebiete seit 2000, kennen beide Routen und beraten persönlich — auch dann, wenn die Antwort am Ende lautet, dass Sie mit der kürzeren Reise besser bedient sind.


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