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◆ Reiseberichte

Zwölf Wochen Nordnorwegen: wann die Wale da sind und wie dunkel der Dezember wirklich ist

Von Ende Oktober bis Mitte Januar, zwölf Bordlogbücher ausgezählt: an wie vielen Tagen es Wale gab, an wie vielen Nordlicht — und an wie vielen trotz Polarnacht angelandet wurde.

Lesezeit 9 Minuten
Thema Reiseberichte

Zwölf Wochen am Stück, vom 24. Oktober bis zum 16. Januar, dasselbe Schiff, dasselbe Revier. Wir haben alle zwölf Bordlogbücher der Nordnorwegen-Saison nebeneinandergelegt und ausgezählt: an wie vielen Tagen es Wale gab, an wie vielen Nordlicht, und an wie vielen überhaupt etwas möglich war. Vor allem für die Wochen, vor denen viele Gäste zurückschrecken — die um die Wintersonnenwende.

Die Saison 2025/26 in Zahlen

Die MS Cape Race fuhr zwölf Wochen in Folge ab Tromsø durch den Kvænangenfjord, den Jøkelfjord, den Reinfjord und die Inselwelt um Skjervøy, Skorpa und Havnnes. Die Expeditionsleitung wechselte dreimal: Heike Ollertz (Oktober/November), Ursula Tscherter (November) und Andreas Umbreit (Dezember bis Januar). In den ersten beiden Wochen war zusätzlich der Meeresbiologe Prof. Rolf Gradinger an Bord.

Die MS Cape Race liegt beleuchtet vor einer verschneiten Steilküste, im Vordergrund rote Vogelbeeren
Ende Oktober, zu Beginn der Saison: die MS Cape Race am Ankerplatz. An Land tragen die Ebereschen noch Früchte, auf den Hängen liegt der erste Schnee.
Woche Tage mit Walen Tage mit Nordlicht Tage mit Landgang, Zodiac oder Wanderung
24.–31. Oktober436
31. Okt. – 7. November537
7.–14. November625
14.–21. November647
21.–28. November746
28. Nov. – 5. Dezember336
5.–12. Dezember457
12.–19. Dezember455
19.–26. Dezember146
26. Dez. – 2. Januar324
2.–9. Januar256
9.–16. Januar156

Gezählt wurden Reisetage, an denen im Logbuch eine Sichtung beziehungsweise eine Unternehmung vermerkt ist. Jede Woche umfasst acht Tage einschließlich An- und Abreise, an denen naturgemäß nichts stattfindet.

Wann sind die Wale da?

Der Höhepunkt liegt im November. In der Woche vom 21. bis 28. November gab es an sieben von acht Tagen Wale — praktisch an jedem, an dem gefahren wurde. Orcas und Buckelwale folgen dem Hering in die Fjorde, und solange der Hering da ist, sind sie es auch.

Fluke eines abtauchenden Buckelwals vor einer Felsküste in Nordnorwegen
Buckelwal vor dem Reinfjord, Anfang November. Im Logbuch dieser Woche steht: „In einem Moment, so scheint es, sind wir umringt von Orcas und Buckelwalen, die gemeinsam zu jagen scheinen.“

Das eindrücklichste Beispiel steht im Logbuch vom 22. November: erst Buckelwale, langsam schwimmend, so nah, dass die langen Brustflossen zu erkennen waren. Dann eine große Gruppe jagender Orcas — und plötzlich waren die Buckelwale mitten unter ihnen. Sekunden später stießen noch zwei Finnwale dazu.

Ab Dezember werden die Sichtungen seltener, aber sie hören nicht auf. Auch im Januar gab es noch Wale: Am 10. und 11. Januar steht „Wale" sogar in den Tagesüberschriften, und im Logbuch vom 10. Januar heißt es: „Buckelwale und Orcas, einzeln und in Gruppen: spannende Sichtungen über den ganzen Vormittag."

In welchem Monat sieht man in Nordnorwegen am sichersten Orcas?

Im November. Über fünf Wochen von Ende Oktober bis Ende November gab es an vier bis sieben von acht Tagen Walsichtungen. Im Dezember waren es ein bis vier, im Januar ein bis zwei. Garantien gibt es nicht — die Wale folgen dem Hering, und der hält sich an keinen Reisekalender.

Die Dezember-Frage: Wie dunkel ist es wirklich?

Das ist die häufigste Sorge vor einer Winterreise: Ab Ende November geht die Sonne in Tromsø nicht mehr auf. Viele stellen sich vor, dass dann drei Wochen lang nichts geht.

Die Logbücher sagen etwas anderes. Polarnacht heißt nicht Finsternis, sondern eine mehrstündige Dämmerung um die Mittagszeit — und in dieser Dämmerung wird gefahren, angelandet und gewandert.

Rosa gefärbter Dämmerungshimmel über verschneiten Bergen am Fjord, in der Ferne ein kleines Schiff
Anfang Dezember über dem Fjord: So sieht die Dämmerung aus, die in diesen Wochen den Tag ausmacht — hell genug für Zodiacfahrten und Anlandungen.

Ein paar Sätze im Wortlaut. Am 26. Dezember: „In der noch schwachen Morgendämmerung begannen wir, von der Skalsabucht im inneren Jøkelfjord aus …" — und wenig später trafen sie „mit zunehmendem Dämmerlicht auf etliche Orcas". Am 19. Dezember gab es Sichtungen „in wunderbar rötlichem Dämmerlicht". Am 2. Januar notiert das Logbuch die „Farbabstufung der Mittagsdämmerung", und die Gruppe blieb länger am Hafenbecken stehen. Am 4. Januar: „Mit Einsetzen deutlicherer Dämmerung steuerten wir dann die Insel Spildra an, wo wir per Zodiac …"

Drei Orcas mit hohen Rückenfinnen durchbrechen die Wasseroberfläche
Orcas im Jøkelfjord in der Woche um den Jahreswechsel. Das Logbuch: „Tatsächlich trafen wir im äußeren Jøkelfjord im Bereich der Skalsabucht mit zunehmendem Dämmerlicht auf etliche Orcas: erstes Ziel erreicht!“

Und dann die Zahlen aus der Tabelle: In den sieben Wochen von Ende November bis Mitte Januar gab es an vier bis sieben von acht Tagen einen Landgang, eine Zodiacfahrt oder eine Wanderung. Das ist derselbe Bereich wie im Oktober und November.

Kann man im Dezember in Nordnorwegen überhaupt etwas unternehmen?

Ja. In den Dezember- und Januarwochen 2025/26 fanden an vier bis sieben von acht Reisetagen Landgänge, Zodiacfahrten oder Wanderungen statt — genauso viele wie im Oktober und November. Die Polarnacht bedeutet keine Finsternis, sondern eine mehrstündige Dämmerung um die Mittagszeit, hell genug für Zodiacfahrten und Anlandungen.

Was der Winter dazugibt

Die dunklen Wochen nehmen nicht nur, sie geben auch. Zweierlei:

Mehr Nordlicht-Tage. Von Ende November bis Mitte Januar verzeichnen die Logbücher an vier bis fünf von acht Tagen Nordlicht — im Oktober und November waren es zwei bis vier. Der Grund ist banal: Es ist länger dunkel, also gibt es mehr Gelegenheiten. Die Sonnenaktivität ist dieselbe.

Grünes Nordlicht über einem kahlen Birkenwald, darüber ein Sternenhimmel
Nordlicht über dem Birkenwald. Aus dem Logbuch der ersten Novemberwoche, nach einem Landgang: „Es ist inzwischen schon dunkel und Nordlichter leuchten uns den Weg zurück zum Schiff.“

Schneeschuhe. Ab dem 11. Dezember taucht Schneeschuhwandern regelmäßig in den Tagesprogrammen auf — bei Hamnes, in Vågen, bei Slettnes. Im Oktober gibt es das nicht, da ist der Schnee noch nicht da.

Dazu kommt das, was sich nicht in Zahlen fassen lässt: die Landschaft im blauen Licht. Andreas Umbreit fasst eine Januarwoche so zusammen: „eindrucksvolles Nordlicht, eine großartige Berg- und Fjordlandschaft in magischem Dämmerlicht".

Wie kalt wird es?

Weniger, als die Breite vermuten lässt — der Golfstrom hält die Fjorde eisfrei. Die Logbücher notieren:

  • Oktober und November: meist um den Gefrierpunkt, in der letzten Novemberwoche bis −8 °C
  • Dezember: zwischen −10 und +6 °C — im Dezember gab es also auch Plusgrade
  • Januar: am kältesten, −15 bis −6 °C

Wer im Januar fährt, sollte sich auf zweistellige Minusgrade einstellen. Wer im Dezember fährt, eher auf Nässe und Wind als auf strengen Frost.

Ein Elch stapft durch den Tiefschnee an einem Ufer, dahinter norwegische Wohnhäuser
Mitte Januar, −6 °C, an der Pier von Hamnnes: ein Elch im Tiefschnee zwischen den Wohnhäusern. Das Logbuch dazu: „das hatte es die ganze Saison hier noch nicht für die CAPE RACE gegeben.“

Immer dieselben Fjorde — und trotzdem jede Woche anders

Anders als in Spitzbergen oder Schottland ist das Revier hier eng: Kvænangenfjord, Jøkelfjord, Reinfjord, dazu die Inseln Skorpa, Spildra, Karlsøy und die Orte Skjervøy und Havnnes. Fast jede der zwölf Wochen bewegte sich in diesem Dreieck.

Was sich unterscheidet, ist die Reihenfolge und der Anlass. Die Wale bestimmen, wohin es morgens geht — sie stehen dort, wo der Hering steht, und das wechselt täglich. Eine Woche fuhr bis in den Stjernsundet und nach Alta, eine andere kam über den Litle Altafjord nicht hinaus, weil dort die Wale waren.

Blick über das Vordeck der MS Cape Race auf verschneite Berge, deren Gipfel im Morgenlicht golden leuchten
Vom Vordeck der Cape Race, Mitte November: „Der Himmel ist wolkenfrei und blau und die aufgehende Sonne taucht die Landschaft in einzigartiges Licht. Auch die See ist ruhig.“

Wer an Bord ist

In der Regel eine Expeditionsleitung — anders als in Grönland, wo zwei Guides mitfahren. Bei einzelnen Abfahrten kommt jemand dazu: In den ersten beiden Wochen der Saison war der Meeresbiologe Prof. Rolf Gradinger an Bord, auf Fotoreisen begleitet eine Fotografin, und für einige Tage stößt ein zweiter Guide dazu, der in Norwegen lebt.

Praktisch heißt das: Bei Wanderungen nimmt die Expeditionsleitung die Wandergruppe mit; wer lieber an Bord bleibt oder im Ort spazieren geht, tut das.

Welche Woche passt zu wem?

  • Ende Oktober bis Ende November — für alle, denen die Wale wichtiger sind als alles andere. Höchste Sichtungsquote, dazu noch etwas Tageslicht und Herbstfarben an Land.
  • Dezember — für alle, die das Nordlicht und die Stimmung der Polarnacht suchen. Wale weiterhin möglich, milder als der Januar, dazu Weihnachten und Silvester an Bord.
  • Januar — für alle, die Kälte nicht scheuen. Die meisten Nordlicht-Tage, zurückkehrendes Licht, Schnee für Schneeschuhtouren — und Wale immer noch möglich.

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Welche Woche zu Ihnen passt, hängt davon ab, was Ihnen am wichtigsten ist — Wale, Nordlicht oder Schnee. Sprechen Sie uns an, wir ordnen das für Sie ein.

Grundlage dieses Beitrags sind die zwölf Bordlogbücher der MS Cape Race vom 24. Oktober 2025 bis 16. Januar 2026. Text der Logbücher: Heike Ollertz, Ursula Tscherter und Andreas Umbreit. Auch die Fotos stammen aus diesen Logbüchern — von den Expeditionsleitungen und von mitreisenden Gästen.


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