Verhalten in der Antarktis.
Die Antarktis gehört keinem Staat. Was dort erlaubt ist, regeln der Antarktisvertrag, sein Umweltschutzprotokoll und die Beschlüsse der Vertragsstaatenkonferenz. Daraus ist ein Allgemeiner Leitfaden für Besucher entstanden — dieser Text fasst zusammen, was darin für Sie steht.
Die Grundregel: Das Tier entscheidet
Alle Abstandsregeln lassen sich auf einen Satz herunterbrechen: Lassen Sie immer den Tieren den Vortritt. Zugangswege zwischen Meer und Land, zu Nistplätzen oder anderen Zielen dürfen niemals blockiert werden.
Bewegen Sie sich in der Nähe von Wildtieren — an Land wie auf See — langsam und vorsichtig, und halten Sie den Lärm auf ein Minimum.
Wie man erkennt, dass man zu nah ist
Der Leitfaden nennt dafür ein präzises Kriterium — und es ist das Nützlichste, was man über Tierbeobachtung lernen kann. Das Verhalten von Tieren ändert sich, wenn sie gestört werden. Achten Sie auf:
- Es steht auf, obwohl es vorher saß
- Es bewegt den Kopf aufgeregt
- Es fängt an zu schreien, wo es vorher still war
In diesem Fall stellen Sie Ihre Bewegung ein — oder vergrößern den Abstand ganz langsam. Nicht ruckartig, nicht mit dem Rücken zum Tier davoneilen.
Und: Jede Situation ist anders. Topografie und örtliche Gegebenheiten beeinflussen, wie verletzlich Tiere durch Störungen sind. Ein Abstand, der an einem Strand genügt, kann in einer engen Bucht zu gering sein.
Ein praktischer Hinweis, den viele überlesen: Achten Sie darauf, wo Sie hintreten. Robben liegen getarnt auf und zwischen Felsen — man sieht sie oft erst, wenn man fast auf ihnen steht.
Halten Sie außerdem Ausschau nach Eiern, Küken oder Nestmaterial von Skuas, Pinguinen und Sturmvögeln. Nicht alles, was aussieht wie Kies, ist Kies.
Drohnen
Unbemannte Luftfahrzeuge dürfen nicht in der Nähe von Wildtieren eingesetzt werden. Auch das Überfliegen von Vogel- und Säugetierkolonien ist zu vermeiden. In der Praxis untersagen die Veranstalter den Einsatz an Bord grundsätzlich — es ist also keine Frage, die sich vor Ort stellt.
Vegetation: langsamer als man denkt
Die antarktische Vegetation — Moose und Flechten — ist empfindlich und wächst äußerst langsam. Moosbetten und flechtenbewachsene Felsen dürfen deshalb weder betreten noch befahren werden.
Wo Wege festgelegt sind, bleiben Sie darauf. Wo keiner existiert, wählen Sie die Route sorgfältig und nehmen den direktesten Weg, unter Vermeidung von Vegetation, empfindlichem Gelände, Geröllhalden und Wildtieren. Ein Umweg klingt rücksichtsvoller, verteilt den Schaden aber nur auf mehr Fläche.
Biosecurity: vorher und zwischendurch
Das Einbringen nichtheimischer Arten und Krankheitserreger ist verboten. Praktisch heißt das zweierlei:
Vor der Anreise: Schuhe sorgfältig waschen und die gesamte Ausrüstung reinigen — Kleidung, Taschen, Stative, Zelte, Wanderstöcke. Besonders zu prüfen sind Schuhsohlen, Klettverschlüsse und Taschen, in denen sich Erde oder Samen halten können.
Zwischen den Standorten: Um die Übertragung innerhalb der Antarktis zu verhindern, werden Kleidung, Stiefel und Ausrüstung gründlich gereinigt, bevor man sich zwischen Orten und Regionen bewegt. Auch Boote und Fluggeräte werden gereinigt.
Schutzgebiete: ASPA und ASMA
Zwei Kürzel begegnen Ihnen in Reiseplänen: ASPA (Antarctic Specially Protected Area) und ASMA (Antarctic Specially Managed Area).
Aktivitäten dort müssen dem jeweiligen Managementplan entsprechen. Für das Betreten eines ASPA ist eine Genehmigung der zuständigen nationalen Behörde erforderlich, die stets mitzuführen ist. Lage und Grenzen sind vorab zu prüfen — alle Managementpläne stehen auf der Website des Antarktisvertrags-Sekretariats.
Historische Stätten
Hütten, Depots und Denkmäler dürfen zu touristischen, Freizeit- und Bildungszwecken besucht werden — aber zu keinem anderen Zweck, außer im Notfall. Beschädigen, entfernen, zerstören oder verändern ist untersagt, egal ob die Struktur bewohnt ist oder nicht.
- Vor dem Betreten Schuhe von Schnee und Splitt reinigen, Schnee und Wasser von der Kleidung entfernen — Feuchtigkeit beschädigt Strukturen und Artefakte.
- Beim Gehen darauf achten, nicht auf Artefakte zu treten, die unter Sediment oder Schnee verborgen sein können.
- Manche historischen Bauwerke sind zusätzlich als ASPA ausgewiesen und brauchen eine Besuchserlaubnis.
- Bei einem möglichen Fund: nicht berühren, nicht stören, Expeditionsleiter informieren.
Forschungsstationen
Einige Stationen empfangen nach vorheriger Absprache Besucher. Erforderlich sind eine Genehmigung vor dem Besuch und eine rechtzeitige Bestätigung gemäß den Anweisungen der Stationsleitung. Vor Ort gelten zusätzlich alle ortsspezifischen Regeln.
Wissenschaftliche Ausrüstung, Markierungen, experimentelle Studienorte, Feldlager und gelagerte Vorräte dürfen weder beeinträchtigt noch entfernt oder gestört werden. Was nach Schrott aussieht, ist oft ein laufendes Experiment.
Keine Spuren hinterlassen
- Keine Abfälle an Land und keine Entsorgung im Meer.
- Rauchverbot außer in ausgewiesenen Bereichen; Asche und Abfälle werden zur Entsorgung außerhalb der Antarktis mitgenommen.
- Persönliche Gegenstände und Ausrüstung so sichern, dass nichts durch starken Wind entweicht oder von Tieren gefressen wird.
- Keine Souvenirs — weder menschengemachte noch biologische oder geologische. Das schließt Steine, Federn, Knochen, Eier, Vegetation, Erde, Meteoriten und Fossilien ein.
- Keine Graffiti, weder gemalt noch geritzt, auf natürlichen oder von Menschen gemachten Oberflächen.
- Seen, Flüsse und andere Gewässer nicht stören oder verschmutzen — auch nicht durch Betreten, Körperwäsche oder das Waschen von Ausrüstung.
Sicherheit: worauf niemand hinweist, weil es selbstverständlich scheint
Der Leitfaden enthält einen Abschnitt, der nüchterner formuliert ist als alles andere — und deshalb ernster zu nehmen.
- Kein Betreten von Gletschern oder größeren Schneefeldern ohne entsprechende Ausrüstung und Erfahrung. Es besteht große Gefahr, in verdeckte Spalten zu stürzen.
- Besondere Wachsamkeit bei kalbenden Gletschern: Abbrechende Eisstücke erzeugen gefährliche Wellen.
- Vorsicht beim Klettern auf Felsen und Geröll — tauender Permafrost erhöht bei wechselnden Temperaturen die Lawinengefahr.
- Abstand zur Meereiskante halten und beim Betreten von Rissen im Meereis vorsichtig sein.
- Rechnen Sie nicht mit Rettungsdiensten. Sicherheit entsteht durch vernünftige Planung, gute Ausrüstung und geschultes Personal — nicht durch Hilfe von außen.
- Notunterkünfte nur im echten Notfall betreten. Wer Ausrüstung oder Vorräte entnimmt, informiert danach die nächstgelegene Station oder die zuständige Behörde.
- Feuer ist in der trockenen antarktischen Umwelt eine große Gefahr. Lampen mit brennbaren Stoffen und offene Flammen sind in und um historische Strukturen strengstens untersagt.
Wie viele Menschen gleichzeitig an Land dürfen
Die Zahlen erklären, warum wir mit kleinen Schiffen arbeiten:
- Höchstens 100 Passagiere eines Schiffes gleichzeitig an Land — sofern die ortsspezifische Richtlinie nicht weniger vorschreibt.
- Mindestens ein Exkursionsleiter je 20 Passagiere.
- Ein Standort darf immer nur von einem Schiff gleichzeitig besucht werden.
- Schiffe mit mehr als 500 Passagieren dürfen in der Antarktis gar nicht anlanden.
Ein Schiff mit 200 Gästen muss seine Anlandung also in Gruppen aufteilen und rotieren lassen. Bei 100 Gästen entfällt das — alle können gleichzeitig an Land, und die Zeit vor Ort verdoppelt sich faktisch.
Häufige Fragen zum Verhalten in der Antarktis
Welcher Mindestabstand gilt zu Tieren?
An Land grundsätzlich 5 Meter, zu potenziell gefährlichen oder territorialen Tieren wie Pelzrobben 15 bis 25 Meter. Örtliche Richtlinien können strenger sein.
Woran erkennt man, dass ein Tier gestört ist?
Es steht auf, obwohl es saß, bewegt den Kopf aufgeregt oder beginnt zu schreien. Dann Bewegung einstellen oder den Abstand langsam vergrößern.
Darf man Pinguinkolonien betreten?
Nein. Man bleibt außerhalb und beobachtet aus sicherer Entfernung. Zugangswege zwischen Meer und Land dürfen nie blockiert werden.
Sind Pinguine gefährlich?
Die Richtlinie sagt: Alle Wildtiere, selbst Pinguine, können ernsthafte Schäden verursachen. Skuas greifen an, wenn man sich einem Nest nähert.
Wie viele Menschen dürfen gleichzeitig an Land?
Höchstens 100 Passagiere eines Schiffes, mit mindestens einem Exkursionsleiter je 20 Gästen. Ein Standort wird nur von einem Schiff gleichzeitig besucht; Schiffe über 500 Passagiere dürfen nicht anlanden.
Sind Drohnen erlaubt?
Nicht in der Nähe von Wildtieren, und Kolonien dürfen nicht überflogen werden. Die Veranstalter untersagen den Einsatz in der Praxis grundsätzlich.
Warum darf man Moos und Flechten nicht betreten?
Weil die Vegetation äußerst langsam wächst. Wo Wege existieren, bleibt man darauf; sonst nimmt man den direktesten Weg.
Darf man Steine oder Federn mitnehmen?
Nein — untersagt sind alle Souvenirs, einschließlich Steinen, Federn, Knochen, Eiern, Vegetation, Erde, Meteoriten und Fossilien.
Was gilt an historischen Stätten?
Nichts beschädigen oder entfernen. Vor dem Betreten Schuhe von Schnee und Splitt reinigen und Feuchtigkeit von der Kleidung entfernen. Nicht auf verborgene Artefakte treten.
Was tun bei einem möglichen historischen Fund?
Nicht berühren, nicht stören, Expeditionsleiter informieren.
Welche Sicherheitsregeln gelten an Land?
Die Gruppe nicht verlassen, Gletscher und Schneefelder ohne Ausrüstung meiden, bei kalbenden Gletschern auf Wellen achten, Abstand zur Meereiskante halten. Mit Rettungsdiensten ist nicht zu rechnen.
Was sind ASPA und ASMA?
Besonders geschützte beziehungsweise besonders verwaltete Gebiete. Für ein ASPA braucht es eine behördliche Genehmigung, die mitzuführen ist.