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Expeditions-Guide

Ausrüstung & Packliste.

Es gibt auf einer Antarktisreise genau zwei Dinge, die darüber entscheiden, ob Sie an Land dürfen: Ihre Hose und Ihre Stiefel. Alles andere ist Komfort. Dieser Artikel erklärt, worauf es dabei ankommt — und warum „wasserabweisend" das falsche Wort ist.

Die eine Regel, die keine Ausnahme kennt
Alle Gäste müssen an Bord eines Zodiacs eine wasserdichte Jacke und eine wasserdichte Hose tragen. Wasserfeste oder wasserabweisend behandelte Kleidung ist ausdrücklich nicht ausreichend. Wer nicht entsprechend gekleidet ist, darf das Schiff nicht verlassen — in norwegischen Gewässern ist das gesetzlich vorgeschrieben.

Wasserdicht heißt nicht wasserabweisend

Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern der häufigste Grund für Enttäuschungen an Bord. Wasserabweisende Kleidung ist imprägniert — sie hält kurzen Nieselregen ab, bis die Imprägnierung gesättigt ist. Wasserdichte Kleidung hat eine Membran mit einer definierten Wassersäule.

Für Zodiacfahrten sollten es mindestens 15.000 Millimeter sein, etwa Gore-Tex oder ein vergleichbares Material, das gleichzeitig atmungsaktiv ist. Der Grund dafür ist banal: Bei jeder Zodiacfahrt spritzt Wasser ins Boot. Nicht vielleicht — immer.

Warum daraus eine Sicherheitsfrage wird, erklärt sich von selbst, wenn man einmal nass war: Bei Nässe steigt das Risiko einer Unterkühlung erheblich, und in einem offenen Boot bei zwei Grad Wassertemperatur gibt es keine Möglichkeit, sich zwischendurch aufzuwärmen.

Warum Schichten und nicht ein dicker Mantel

Die zweite Grundregel ist das Schichtenprinzip — und der Grund dafür ist physikalisch, nicht modisch.

Zwischen den einzelnen Lagen befindet sich ein Luftfilm. Erwärmt durch den Körper, wirkt dieser Film als hervorragender Isolator. Genau deshalb gilt: mehrere leichte, lockere Schichten sind besser als ein einzelnes schweres Teil. Zu eng anliegende Kleidung lässt keinen Platz für diese Luft — und wärmt paradoxerweise schlechter.

Der zweite Vorteil ist praktischer Natur. Bei einer Wanderung an Land wird einem warm. Schwitzen aber ist der häufigste Grund, warum Menschen anschließend frieren: Der Körper verliert Wärme deutlich schneller, wenn er feucht ist. Mit Schichten legt man eine Lage ab, bevor es so weit kommt.

Basisschicht
Thermounterwäsche aus Seide oder Polypropylen — wärmt, ohne aufzutragen.
Mittelschicht
Rollkragenpullover und eine Fleecejacke mittleren Gewichts. Wolle und Seide schlagen Baumwolle.
Außenschicht
Wasser- und winddichte Jacke mit angesetzter Kapuze, dazu wasserdichte Überhose.

Der Wind, nicht die Kälte

An der Antarktischen Halbinsel liegen die Sommertemperaturen um den Gefrierpunkt. Das klingt harmlos — bis Wind dazukommt.

Schon ein leichter Wind von 6 km/h transportiert achtmal mehr Körperwärme ab als ruhige Luft. Auf einem fahrenden Zodiac erzeugen Sie diesen Wind selbst, auch wenn es windstill ist. Deshalb ist die äußere Hülle die wichtigste Schicht, und deshalb kennt jeder Polarfahrer den Satz: „Es ist nicht die Kälte, es ist der Wind."

Für Reisen ins Rossmeer gilt das noch einmal deutlicher: Dort sind Temperaturen unter –10 °C mit entsprechender gefühlter Temperatur normal, weshalb zusätzlicher Wärmeschutz dringend empfohlen wird.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Polares Sprichwort, zitiert im Expeditionshandbuch

Hände, Füße, Kopf

Wärme geht dort verloren, wo die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen groß ist — an Händen und Füßen. Und über den Kopf können bis zu 90 Prozent der abgegebenen Körperwärme entweichen.

Daraus folgt einer der besten Ratschläge des Expeditionshandbuchs: Wenn Sie kalte Füße haben, setzen Sie eine Mütze auf. Das klingt wie ein Scherz und funktioniert.

  • Fäustlinge sind wärmer als Handschuhe — die Finger wärmen sich gegenseitig.
  • Darunter dünne Polypropylen-Handschuhe. So können Sie die Fäustlinge zum Fotografieren ausziehen, ohne die Hände ganz freizulegen.
  • Mehr als ein Paar mitnehmen. Nasse Handschuhe trocknen an Bord langsam.
  • Wollmütze und Schal oder Sturmhaube — zum Herunterziehen über Ohren, Hals und Kinn.

Die große Sache mit den Stiefeln

Im Expeditionshandbuch trägt dieses Kapitel eine eigene Überschrift, und der erste Satz lautet: „Das Glück beginnt am Boden." Das ist keine Übertreibung — Stiefel sind wahrscheinlich das Wichtigste, was Sie mitnehmen.

Gefragt sind Gummistiefel im Wellington-Stil mit rutschfester Waffelsohle, wie man sie von Wanderschuhen kennt. Zu vermeiden sind:

  • Schwere, unhandliche Modelle, die das Gehen erschweren
  • Gummistiefel-Imitate aus PVC — sie sind unnachgiebig und rutschen leichter
  • Zu enge Stiefel: Sie führen zu kalten Füßen, weil die isolierende Luftschicht fehlt

Ein Detail, das viele überrascht: Segelstiefel taugen nur halb. Ihre Sohlen funktionieren hervorragend auf glatten Decks und nassen Felsen, bieten aber auf Schnee, Eis oder Schlamm keinen Halt. Umgekehrt sind rundum griffige Profilsohlen gut auf Eis und Schnee, dafür weniger rutschfest an Deck.

Größe richtig wählen
Lieber etwas lockerer als zu eng. Für maximale Wärme: locker sitzende Stiefel und zwei Paar Socken — ein dünneres aus Seide oder Polypropylen unter einem dicken Wollsocken. Gummistiefel gibt es meist nur in ganzen Größen, viele Modelle sind unisex. Sitzt der Stiefel zu locker, hilft eine Einlegesohle.

Und der Satz, der am Ende des Kapitels steht, ist keine Floskel: Wer kein geeignetes Schuhwerk mitbringt, darf während der Reise nicht an Land.

Wenn Sie nichts kaufen wollen

Für eine einmalige Reise lohnt sich die Anschaffung nicht immer. In Ushuaia lässt sich die komplette Außenausrüstung mieten: wasserdichte Jacken und Hosen, Rucksäcke, Gore-Tex-Fäustlinge, Trekkingstöcke — oder ein vollständiges Polar-Paket mit allem.

Der Ablauf ist unkompliziert: Die Bestellung wird vorab aufgegeben, die Abholung erfolgt am Einschiffungstag am Gepäcktreffpunkt in der Stadt. Dort können Sie anprobieren und die Größe direkt vor Ort tauschen. Anschließend geht die Mietausrüstung mit dem regulären Gepäck an Bord. Bei der Ausschiffung wird sie in einen eigenen Transporter gelegt und zurückgebracht.

Gummistiefel stellen die meisten Expeditionsschiffe ohnehin — fragen Sie uns, ob das auf Ihrer Reise der Fall ist.

Die Checkliste

Belasten Sie sich nicht mit überflüssiger Kleidung. Was Sie brauchen, ist praktische Kleidung, die sich schichten lässt:

  • Festes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen — keine Sandalen
  • Bequeme Schuhe für an Bord
  • Persönliche Medikamente inklusive Mittel gegen See- und Reisekrankheit — ins Handgepäck, nicht in den Koffer
  • T-Shirts für drinnen: Auf dem Schiff ist es angenehm warm
  • Warme Hosen oder Skihosen, über langer Unterwäsche tragbar
  • Wasserdichte Überhose, etwa Gore-Tex, über die normale Hose zu ziehen
  • Thermounterwäsche aus Seide oder Polypropylen
  • Pullover oder Fleecejacke mittleren Gewichts, dazu Rollkragenpullover
  • Fäustlinge und dünne Innenhandschuhe, mehr als ein Paar
  • Wollmütze und Schal
  • Warme Socken, mehrere Paare, hoch und robust — die Füße werden nass
  • Wasser- und winddichte Jacke mit angesetzter Kapuze
  • Wasserdichter Rucksack mit Schultergurten, damit die Hände frei bleiben
  • Sonnenbrille guter Qualität — die Blendung ist selbst bei bedecktem Himmel stark
  • Fernglas
  • Kamera mit doppelt so vielen Speicherkarten, wie Sie zu brauchen glauben
  • Ohrstöpsel, falls Sie die Kabine teilen

Häufige Fragen zur Ausrüstung

Welche Kleidung ist für die Antarktis vorgeschrieben?

Im Zodiac eine wasserdichte Jacke und eine wasserdichte Hose. Wasserfeste oder wasserabweisend behandelte Kleidung genügt nicht. Wer nicht entsprechend gekleidet ist, darf das Schiff nicht verlassen.

Was ist der Unterschied zwischen wasserdicht und wasserabweisend?

Wasserabweisende Kleidung ist imprägniert und hält kurzen Nieselregen ab. Wasserdichte hat eine Membran mit definierter Wassersäule — mindestens 15.000 Millimeter, etwa Gore-Tex.

Warum mehrere dünne Schichten statt einer dicken?

Zwischen den Lagen bildet sich ein Luftfilm, der vom Körper erwärmt wird und gut isoliert. Außerdem lassen sich einzelne Lagen ablegen, bevor man schwitzt — nasse Kleidung kühlt aus.

Wie stark kühlt Wind aus?

Ein Wind von 6 km/h transportiert achtmal mehr Körperwärme ab als ruhige Luft. Im fahrenden Zodiac erzeugen Sie diesen Wind selbst.

Welche Stiefel braucht man?

Gummistiefel im Wellington-Stil mit rutschfester Waffelsohle. Keine PVC-Imitate, keine schweren Modelle. Ohne geeignetes Schuhwerk kein Landgang.

Sind Segelstiefel geeignet?

Nur halb. Sie sind rutschfest auf Deck und nassem Fels, bieten aber auf Schnee, Eis und Schlamm keinen Halt.

Welche Stiefelgröße?

Lieber etwas lockerer. Zu eng bedeutet kalte Füße. Ideal sind locker sitzende Stiefel mit zwei Paar Socken.

Fäustlinge oder Handschuhe?

Fäustlinge wärmen besser. Darunter dünne Handschuhe, damit man zum Fotografieren nicht ganz auszieht.

Wie viel Wärme geht über den Kopf verloren?

Bis zu 90 Prozent der abgegebenen Körperwärme. Daher: Bei kalten Füßen eine Mütze aufsetzen.

Welche Materialien eignen sich?

Wolle, Seide und Polar Fleece. Bei Nässe isolieren Polyesterdaunen besser als Gänse- oder Entendaunen. Baumwolle ist die schlechteste Wahl.

Kann man Ausrüstung in Ushuaia mieten?

Ja — Jacken, Hosen, Rucksäcke, Gore-Tex-Fäustlinge, Trekkingstöcke oder komplette Pakete. Abholung und Anprobe am Einschiffungstag, Größentausch vor Ort möglich.

Gehört Sonnenschutz auf die Packliste?

Unbedingt. Die Blendung durch Wasser, Schnee und Eis ist auch bei bedecktem Himmel stark.

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