Inhabergeführt seit 2000 · Persönliche Beratung
Mo–Fr 10–12:30 · 13:30–18 Uhr +49 2234 657915 travel@leguan-reisen.de
© Oceanwide Expeditions
◆ Reiseberichte

Jan Mayen: fünfzig zu fünfzig — und dann riss der Himmel auf

Auf Jan Mayen kommt man nur mit etwa halber Wahrscheinlichkeit an Land. Am 31. Mai 2026 klappte es — und am Nachmittag zeigte sich der Beerenberg mit allen 2.277 Metern.

Lesezeit 8 Minuten
Thema Reiseberichte

Jan Mayen gibt einem etwa fünfzig zu fünfzig die Chance, an Land zu kommen. Das ist keine Marketingzahl, sondern die Erfahrung der Expeditionsleitungen, die die Insel regelmäßig anlaufen.

Am 31. Mai 2026 klappte es. Und dann kam noch etwas dazu, mit dem niemand gerechnet hatte.

Der schneebedeckte Vulkan Beerenberg auf Jan Mayen über dunklem Meer
Der Beerenberg, 2.277 Meter, der nördlichste über dem Meeresspiegel gelegene Vulkan der Welt. Meistens steckt er in Wolken. © Oceanwide Expeditions / Oceanwide Expeditions

Eine Insel ohne Hafen

Jan Mayen liegt auf halber Strecke zwischen Island und Spitzbergen, ungeschützt im Nordatlantik. Es gibt keinen Hafen und nur wenige Buchten, in denen eine Zodiac-Anlandung überhaupt möglich ist. Dünung aus der falschen Richtung genügt, damit ein Schiff weiterfahren muss.

Die MV Ortelius ankerte in der Kvalrossbukta — der Walrossbucht — an der Westseite. Dunkle vulkanische Klippen umrahmen die stille Bucht; auf dem Wasser ruhten vor allem Eissturmvögel. Ein Gryllteiste flog zwischen Schiff und Ufer hin und her, als wolle er die Gäste begrüßen.

Kurz vor acht Uhr fuhr das Expeditionsteam zur Erkundung an Land. Die Rückmeldung kam schnell: Die Bedingungen hätten nicht besser sein können.

Der Stationskommandant kam an den Strand

Wer auf Jan Mayen an Land geht, trifft auf eine Handvoll Menschen, die dort auf Zeit leben. Niemand wohnt dauerhaft auf der Insel. Norwegen unterhält eine kleine Station mit militärischem und meteorologischem Personal, rund zehn Kilometer entfernt auf der anderen Inselseite.

Empfangen wurde die Gruppe von Oberstleutnant Henning-Ove Sørslett, einem Pionieroffizier der norwegischen Armee und Kommandant der Station. Er blieb den ganzen Vormittag am Landeplatz, beantwortete Fragen und unterhielt sich mit den Gästen. Zwei Kolleginnen öffneten die Heckklappe ihres Geländewagens und boten eine kleine Auswahl an Souvenirs an.

Gebäude der norwegischen Station auf Jan Mayen
Norwegen unterhält auf Jan Mayen eine kleine Station mit militärischem und meteorologischem Personal — rund zehn Kilometer von der Landestelle entfernt. © Oceanwide Expeditions / Oceanwide Expeditions

Das flache Gelände direkt am Landeplatz war zum freien Umhergehen freigegeben — mit Sicherheitsgrenzen, denn an den steilen Hängen ringsum gab es reichlich Spuren von Steinschlag. Ein Labyrinth aus Treibholzstämmen machte das Gehen interessant.

Und mittendrin steht ein Denkmal, das die Geschichte des Ortes in einem Satz erzählt: Es erinnert an sieben niederländische Walfänger, die im Winter 1633/34 an Skorbut starben.

Krabbentaucher und eine Mondlandschaft

Vom Strand führt eine Geländewagenspur den Hang hinauf. Der Stationskommandant erlaubte, sie zu Fuß zu erkunden — mit der einzigen Bitte, auf der Spur zu bleiben. Einen halben Kilometer weiter oben öffnet sich ein Blick über die Bucht, in der die Ortelius vor Anker lag.

Für Vogelbeobachter war der Vormittag ein Fest. Die Guides führten Gruppen zum Fuß eines markanten Felsvorsprungs, an dem eine Kolonie von Krabbentauchern die Luft mit ihren Rufen füllte. Darüber flogen immer wieder Weißwangengänse, und wer genau hinsah, entdeckte Schneeammern.

Zwei Krabbentaucher auf einem Felsen
Krabbentaucher. Am Fuß eines Felsvorsprungs oberhalb der Kvalrossbukta füllt eine Kolonie die Luft mit ihren Rufen. © Anette Bertich / Oceanwide Expeditions

Eine kleine Gruppe wollte weiter gehen und folgte der Spur in Richtung Station. Kein Ziel, nur eine Uhrzeit: elf Uhr, dann umkehren. Die Landschaft, notiert das Bordbuch, habe etwas Mondartiges — dominierendes Grau, unterbrochen nur von Flecken Grün. Die Langstreckengruppe drehte etwa 4,5 Kilometer vom Landeplatz entfernt um; der Flugplatz der Insel lag da bereits in Sicht, weniger als einen Kilometer entfernt. Bis zur Station wären es noch mindestens fünf Kilometer gewesen.

Der Nachmittag, mit dem niemand rechnete

Am Vormittag lag der Beerenberg — Bärenberg auf Niederländisch — mit Kopf und Schultern in den Wolken. Man sah nur seine unteren Hänge und hoffte auf mehr.

Nach dem Mittagessen kam die Durchsage: Der Kapitän nehme Kurs die Küste entlang am Berg vorbei, und die Wolken sähen so aus, als lösten sie sich auf.

Sie lösten sich auf. Vollständig. Der nördlichste über dem Meeresspiegel gelegene Vulkan der Welt zeigte sich mit allen 2.277 Metern. Gletscher stürzen dort bis ans Meer und hinterlassen tief zerklüftete Flanken. Mehrere Guides, die ihre Jan-Mayen-Besuche in zweistelligen Zahlen zählen, sagten, sie hätten den Berg noch nie so klar gesehen.

Und dann noch dies: Der Stationskommandant hatte erzählt, dass sechs seiner Leute an diesem Tag den Vulkan bestiegen. Sie waren um vier Uhr morgens aufgebrochen, für eine Tour von rund zwanzig Stunden. Vom Schiff aus suchte man die Flanke ab — und fand sie tatsächlich, als winzige Punkte unterhalb des Gipfels.

Was danach kam

Als Jan Mayen achteraus kleiner wurde, tauchten vor dem Bug mehrere Entenwale auf, blieben aber flüchtig. Am Abend gab es einen Vortrag über die Geologie der Insel und ein sechsminütiges Video mit Drohnenaufnahmen, darunter eine Sequenz vom Gipfel des Beerenbergs.

Voraus lag das ostgrönländische Packeis.

Wie man selbst dorthin kommt

Jan Mayen wird fast ausschließlich von Expeditionsschiffen angelaufen, meist im Mai und Juni auf dem Weg von Nordeuropa nach Spitzbergen. Die beschriebene Reise war die Fahrt der MS Ortelius von Aberdeen über Jan Mayen und den Eisrand nach Spitzbergen, zwölf Tage.

Kürzere Varianten derselben Route fahren die MS Hondius in zehn Tagen und die MS Plancius zur Sommersonnenwende in neun Tagen. Alle drei sind Anreisefahrten nach Spitzbergen — man fliegt also nur einmal, nämlich zurück.

Häufige Fragen zu Jan Mayen

Wie wahrscheinlich ist eine Landung auf Jan Mayen?

Etwa fünfzig zu fünfzig. Die Insel liegt ungeschützt im Nordatlantik, hat keinen Hafen und nur wenige Buchten, in denen sich eine Zodiac-Anlandung überhaupt durchführen lässt. Dünung oder Wind aus der falschen Richtung reichen aus, damit ein Schiff vorbeifahren muss.

Wie hoch ist der Beerenberg?

2.277 Meter. Er ist der nördlichste über dem Meeresspiegel gelegene Vulkan der Welt. Der Name stammt aus dem Niederländischen und bedeutet Bärenberg. Seine Gletscher reichen bis ans Meer.

Wer lebt auf Jan Mayen?

Niemand dauerhaft. Norwegen unterhält eine kleine Station mit militärischem und meteorologischem Personal, die etwa zehn Kilometer von der Landestelle in der Kvalrossbukta entfernt auf der anderen Inselseite liegt.

Kann man Jan Mayen auf eigene Faust besuchen?

Praktisch nicht. Es gibt keinen Linienverkehr; der Flugplatz dient der Station. Besuche erfolgen fast ausschließlich von Expeditionsschiffen aus, und auch dann nur mit Genehmigung und bei passendem Wetter.

Wann fahren Schiffe nach Jan Mayen?

Meist im Mai und Juni auf dem Weg von Nordeuropa nach Spitzbergen sowie im Spätsommer. Die Insel liegt auf halber Strecke zwischen Island und Spitzbergen und wird deshalb gern als Zwischenziel angelaufen.

Was gibt es auf Jan Mayen zu sehen?

Vulkanische Steilküsten, Treibholzstrände, eine Kolonie von Krabbentauchern, Weißwangengänse und Schneeammern. Am Landeplatz erinnert ein Denkmal an sieben niederländische Walfänger, die im Winter 1633/34 an Skorbut starben.

Sieht man den Beerenberg immer?

Nein, er ist meistens in Wolken. Am 31. Mai 2026 riss die Decke am Nachmittag vollständig auf — mehrere Guides mit zweistelliger Zahl an Jan-Mayen-Besuchen sagten, sie hätten den Berg noch nie so klar gesehen.

Grundlage dieses Berichts ist das Bordbuch der Reise OTL01c26 mit der MV Ortelius, 25. Mai bis 5. Juni 2026, von Vlissingen über Aberdeen nach Longyearbyen. Die Fotos stammen aus dem Bildarchiv von Oceanwide Expeditions und zeigen die beschriebene Region und ihre Tierwelt — nicht zwingend die geschilderte Abfahrt.

◆ Weitere Bilder

Inhabergeführt seit 2000 · 26 Jahre Reise-Erfahrung
Leguan Reisen GmbH · Frechen bei Köln
→ leguan-reisen.de Alle Reiseziele