Am Nachmittag des 21. August 2026 standen die Gäste der MV Plancius in einem Wohnzimmer in Ittoqqortoormiit. Eine ältere Bewohnerin hatte sie hereingebeten und Kaffee gemacht. An den Wänden: Narwalzähne und Walrosschädel.
Das ist die kurze Antwort auf die Frage, was einen Besuch in Ittoqqortoormiit ausmacht. Die lange braucht ein bisschen mehr Platz.
Der einsamste bewohnte Ort Grönlands
Ittoqqortoormiit liegt an der Nordseite der Mündung des Scoresby Sunds, auf etwa 70°29' Nord. Es ist die einzige dauerhaft bewohnte Siedlung auf mehr als achthundert Kilometern Küstenlinie. Nach Norden schließt sich der Nordost-Grönland-Nationalpark an — der größte Nationalpark der Erde, größer als Frankreich und Spanien zusammen, und praktisch menschenleer.
Es gibt keine Straße dorthin, weil es nichts gibt, wohin eine Straße führen könnte. Wer nicht mit dem Schiff kommt, fliegt nach Nerlerit Inaat — dänisch Constable Pynt — auf der anderen Seite des Fjordarms und steigt dort in einen Hubschrauber.
Heute leben rund 350 Menschen hier. In den 1990er-Jahren waren es deutlich mehr als fünfhundert. Der Ort hat eine Schule, einen Laden, ein kleines Krankenhaus und eine Kirche.
1925: ein Ort, der gegründet wurde
Ittoqqortoormiit ist kein gewachsenes Dorf, sondern eine Gründung mit Datum. 1925 siedelte eine Gruppe von Familien aus Ammassalik — rund achthundert Kilometer weiter südlich — hierher um, unter Leitung des dänischen Polarforschers Ejnar Mikkelsen.
Zwei Gründe kamen zusammen. Die Jagdgründe am Scoresby Sund galten als ausgesprochen ergiebig, während die Bevölkerung um Ammassalik wuchs. Und Dänemark hatte ein handfestes Interesse daran, in Ostgrönland dauerhaft präsent zu sein — Norwegen erhob damals Ansprüche auf Teile der Küste.
Der dänische Name des Ortes, Scoresbysund, verweist auf den Fjord davor. Der wiederum trägt den Namen des englischen Walfängers und Naturforschers William Scoresby junior, der die Küste 1822 kartierte. Der grönländische Name bedeutet ungefähr „die Bewohner der großen Häuser“.
Was man beim Gang durch den Ort sieht
Das Bordbuch der Reise PLA11-26 hält den Nachmittag nüchtern fest: Schlittenhunde, die gerade gefüttert wurden. Eisbärenfelle, die über Balkonbrüstungen hängen. Und in dem Haus, in das die Gruppe eingeladen wurde, Narwalzähne und Walrosschädel.
Das irritiert manche Besucher, und es lohnt sich, den Grund dafür zu verstehen. In Ittoqqortoormiit wird gejagt — reguliert über Quoten, ausschließlich durch ortsänsässige Jäger. Fleisch von Moschusochse, Robbe und Narwal ist an einem Ort, an den Lebensmittel nur per Schiff oder Flugzeug kommen, ein realer Teil der Ernährung. Die Felle trocknen draußen, weil sie draußen trocknen müssen.
Wie eng das mit dem Land zusammenhängt, zeigte sich einen Tag zuvor: Am Sydkap, tief drinnen im Fjordsystem, steht ein großes, gut gepflegtes rotes Haus hoch auf den Felsen, und weiter unten am Strand ein halbes Dutzend bunter Hütten. Beides gehört Jägern aus Ittoqqortoormiit, die mit kleinen Booten hierherkommen, um Moschusochsen zu jagen.
Die Kirche
Die rote Holzkirche steht etwas oberhalb des Ortes und gehört zu den Zielen, die Expeditionsschiffe nach Möglichkeit ansteuern. Innen ist sie hell, mit blau gefassten Spitzbögen, Messing-Radleuchtern und einem Harmonium neben dem Altar.
Unter dem Gewölbe hängt, wie in vielen Küstenkirchen Nordeuropas, ein Votivschiff — ein Vollschiffmodell an dünnen Drähten. Ein Motiv, das man in Nordfriesland oder an der schwedischen Küste ebenso findet, hier aber an einem Ort hängt, den erst 1925 überhaupt jemand dauerhaft bewohnt hat.
Der Tag davor und danach
Ein Siedlungsbesuch steht selten allein. Am Vormittag des 21. August landete die Plancius im Hurry Inlet an der Ostseite des Scoresby Sunds — weite offene Täler, felsige Hänge, spärliche Vegetation. Zwei Stunden zu Fuß in drei Gruppen brachten Moschusochsen, einen Polarfuchs und den arktischen Mohn.
Am Abend, zurück an Bord, gab es einen längeren Recap: „Leben der Inuit“, „Frauen als Arktisforscherinnen“, der Schneehase und das Bärtierchen. Danach ein arktisches Barbecue an Deck, mit Musik.
Und noch etwas hatte sich an diesem Tag geändert: Der Wind kam auf, die Temperatur fiel spürbar. Nach den siebzehn Grad der Vortage fühlte sich das an wie ein anderer Ort. Am nächsten Morgen lagen in der Vikingebugt vier Eisbären auf der Gletscher-Moräne, und bis zum Mittag wurden sechs daraus — ein schwimmendes Tier vor der Gletscherfront, eine Bärin mit zwei Jungen, ein weiteres am Geröllhang. Wie unterschiedlich solche Begegnungen ausfallen, zeigt unser Bericht aus Südostgrönland.
Wie man hinkommt
Für Reisende führt der praktikable Weg über ein Expeditionsschiff zwischen Juli und September. Davor und danach liegt Meereis vor der Küste. Diese Fahrten laufen Ittoqqortoormiit an:
- Ostgrönland, Scoresby Sund, einschließlich langer Wanderungen — zehn Tage ab und bis Akureyri mit der MS Plancius, im September 2027. Dieselbe Route wie die hier geschilderte Fahrt.
- Nordostgrönland Extrem — Aurora Borealis und lange Wanderungen — vierzehn Tage im September, mit den besten Nordlichtchancen der Saison.
- Spitzbergen, Nordostgrönland und Scoresby Sund — vierzehn Tage von Longyearbyen nach Akureyri.
Wer den Ort besucht, sollte wissen, dass es sich um einen bewohnten Ort handelt und nicht um ein Freilichtmuseum. Die AECO-Regeln, die auf jedem Expeditionsschiff vor der ersten Anlandung erklärt werden, sind hier besonders praktisch gemeint: nicht durch Fenster fotografieren, nicht ungefragt auf Grundstücke gehen, Schlittenhunde nicht anfassen. Sie sind Arbeitstiere und keine Haustiere.
Wer sich für den Fjord selbst interessiert, an dessen Mündung dieser Ort liegt: Wir haben ihm einen eigenen Beitrag gewidmet.
Häufige Fragen zu Ittoqqortoormiit
Wo liegt Ittoqqortoormiit?
An der Nordseite der Mündung des Scoresby Sunds an der Ostküste Grönlands, auf etwa 70 Grad 29 Minuten Nord. Es ist die einzige dauerhaft bewohnte Siedlung auf über achthundert Kilometern Küste und liegt am Rand des Nordost-Grönland-Nationalparks, des größten Nationalparks der Erde.
Wie viele Menschen leben in Ittoqqortoormiit?
Rund 350. Die Zahl ist seit Jahrzehnten rückläufig; in den 1990er-Jahren waren es noch deutlich über 500. Es gibt eine Schule, einen Laden, eine Kirche und ein Krankenhaus mit Krankenschwester.
Was bedeutet der Name Ittoqqortoormiit?
Übersetzt etwa "die Bewohner der großen Häuser". Der dänische Name des Ortes lautet Scoresbysund, nach dem Fjord, an dessen Mündung er liegt — und dieser wiederum nach dem englischen Walfänger und Naturforscher William Scoresby junior, der die Küste 1822 kartierte.
Wann wurde Ittoqqortoormiit gegründet?
1925. Eine Gruppe von Familien aus dem rund achthundert Kilometer südlich gelegenen Ammassalik siedelte unter Leitung des dänischen Polarforschers Ejnar Mikkelsen an den Scoresby Sund um. Die Jagdgründe galten als ergiebig, und Dänemark hatte ein Interesse daran, in Ostgrönland dauerhaft präsent zu sein.
Wie kommt man nach Ittoqqortoormiit?
Im Sommer am einfachsten mit einem Expeditionsschiff. Sonst führt der Weg über den Flugplatz Nerlerit Inaat (Constable Pynt) auf der anderen Seite des Fjordarms; von dort geht es per Hubschrauber weiter. Straßen gibt es keine — der nächste Ort ist Hunderte Kilometer entfernt.
Wann laufen Schiffe Ittoqqortoormiit an?
Zwischen Juli und September, wenn der Scoresby Sund weitgehend eisfrei ist. Davor und danach liegt Meereis vor der Küste. Die meisten Expeditionsschiffe kombinieren den Besuch mit einer Anlandung im nahen Hurry Inlet am selben Tag.
Warum hängen Eisbärenfelle an den Balkonen?
Weil in Ittoqqortoormiit weiterhin gejagt wird — reguliert über Quoten und ausschließlich durch ortsansässige Jäger. Fleisch von Moschusochse, Robbe und Narwal ist ein realer Teil der Ernährung an einem Ort, an den Lebensmittel nur per Schiff oder Flugzeug kommen. Die Felle trocknen im Freien, wie überall dort, wo Jagd Alltag ist und nicht Folklore.
Kann man in Ittoqqortoormiit übernachten?
Ein Hotel im üblichen Sinn gibt es nicht. Unterkünfte in Gästehäusern vermittelt der örtliche Anbieter Nanu Travel. Die allermeisten Besucher kommen jedoch für wenige Stunden von einem Schiff aus an Land.
Grundlage dieses Berichts ist das Bordbuch der Reise PLA11-26 mit der MV Plancius, 16. bis 25. August 2026, ab und bis Akureyri in den Scoresby Sund. Die Fotos stammen aus dem Bildarchiv von Oceanwide Expeditions und zeigen die beschriebene Region — nicht zwingend die geschilderte Abfahrt. Mehrere Aufnahmen entstanden im Spätsommer bei Neuschnee, während auf dieser Fahrt bis zu siebzehn Grad gemessen wurden.


